Archiv: November 2010

Mo Nov 29, 2010

TTSW: Die Abstimmung

Endlich ist es so weit: Die Jury hat die Vorauswahl getroffen, und Ihr könnt nun darüber abstimmen, welche der zehn ausgewählten Wettbewerbsbeiträge des 1. Texttreff-Schreibwettbewerbs die fünf Preise gewinnen werden. Für die Abstimmung habt Ihr eine Woche Zeit – sie endet am Dienstag, den 7. Dezember um 12.00 Uhr.

Wenn Ihr die pink unterlegte, verlinkte Nummer der zehn Beiträge anklickt, kommt Ihr zu den zehn Texten – so könnt Ihr die Texte noch mal nachlesen und Euren persönlichen Favoriten schnell finden:

- Nr. 16: Der Herbst ist männlich
- Nr. 27: Unter der Tarnkappe
- Nr. 25: Neulich im Forum
- Nr. 26: Ein Traum von einem Kunden
- Nr. 15: Meine Visitenkarte brauchte Auslauf
- Nr. 21: Ich und die anderen
- Nr. 7: Wenn der Postmann zweimal klingelt
- Nr. 11: Print wirkt ... wie ausgestorben
- Nr. 28: Über 38
- Nr. 29: Zu viel des Guten

Der blaue Kasten unten ist die Abstimmung. Wenn Ihr auf eine Überschrift klickt, gebt Ihr damit Eure Stimme ab. Jeder hat nur eine Stimme, Ihr müsst Euch also entscheiden.

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Damit nicht nur die fünf Texttreff-Frauen, die die meisten Stimmen erhalten, etwas von der Abstimmung haben, verlosen wir unter den Kommentaren zu diesem Artikel einige schöne Preise, Bücher zum Beispiel. Viel Spaß und viel Glück!

Nachtrag: Die Abstimmung ist beendet. Ein Artikel zu den Gewinnerinnen folgt.

Zur Erinnerung: Das sind die fünf Hauptpreise für die Gewinnertexte

1. Platz: Eine Woche Ferienaufenthalt in Dänemark

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2. - 4. Platz: Drei wunderschöne Schmuckstücke von TeNo

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5. Platz: Einfachere Rechnungsstellung dank Billomat

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Daniela Dreuth am 29. November 2010, 21:11 | 0 Trackbacks | Glossen

TTSW: 10 kommen weiter ...

Die Jury hat entschieden, und damit stehen die zehn Texte, die im Texttreff-Schreibwettbewerb weiterkommen, fest.

Susanne Ackstaller, Annette Bopp, Momo Evers und Kerstin Hoffmann haben jedem Text jeweils eine Punktezahl von 0 bis 3 (= ausgezeichnet) gegeben.

Ein Dankeschön noch mal an die Jurorinnen, die die 29 eingereichten Beiträge gelesen und bewertet haben. Ein Dankeschön auch an die 19 Texttreff-Frauen, deren Texte nicht in die letzte Runde kommen – fürs Mitmachen. Und ein Glückwunsch an die Schreiberinnen, die es unter die ersten 10 geschafft haben!

- Der Herbst ist männlich
- Unter der Tarnkappe
- Neulich im Forum
- Ein Traum von einem Kunden
- Meine Visitenkarte brauchte Auslauf
- Ich und die anderen
- Wenn der Postmann zweimal ...
- Print wirkt ... wie ausgestorben
- Über 38
- Zu viel des Guten

Jetzt geht es weiter mit der Abstimmung, wir geben ihren Start hier im TT-Blog bekannt. Dann können 5 von 10 Texttreff-Frauen für ihren Text einen tollen Preis gewinnen, und unter den Kommentaren verlosen wir auch noch einige schöne Dinge. Es bleibt spannend!

Andrea Groh am 29. November 2010, 18:11 | 0 Trackbacks | Glossen

Mo Nov 22, 2010

Trommelwirbel: Die TTSW-Gewinner-Buttons!

Für manche wird die Zeit recht lang – wir warten nicht auf Weihnachten (noch nicht), sondern auf die große Offenbarung: Welche Glossen kommen unter die ersten 10? Und: Wer schafft es auf den 1. Platz?

Noch bewertet die Jury die 29 Beiträge, noch befinden wir uns in Phase 2 des Texttreff-Glossenschreibwettbewerbs.

Doch dieser graue bis verschneite Montag im November hat ein wenig Farbe bekommen: Texttreff-Mitglied Birgit Schmidt-Hurtienne (Website), die schon den TTSW-Button gestaltete, hat es wieder getan – die Gewinnerinnen kennen wir also noch nicht, aber die Gewinner-Buttons haben wir schon:

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Liebe Birgit, tausend Dank für die wunderschönen Buttons!

Und noch mal unsere drei Hauptpreis-Sponsoren, damit niemand vergisst, worum es geht:

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TT-Blog-Artikel über den Hauptpreis

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TT-Blog-Artikel über die TeNo-Preise

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TT-Blog-Artikel über den Billomat-Preis

Andrea Groh am 22. November 2010, 12:11 | 0 Trackbacks | Glossen

Di Nov 16, 2010

1. TTSW: Wie es weitergeht

Der Texttreff-Glossenschreibwettbewerb geht jetzt in die nächste Runde. Er lief fünf Wochen, vom 1. Oktober bis zum 7. November. Insgesamt 29 Textinen haben teilgenommen und uns ihren Beitrag gesendet. Eine stolze Zahl, wie wir finden! Vielen Dank an Euch, die Schreiberinnen, Ihr habt uns und vielen anderen Tag für Tag ein paar schöne Leseminuten geschenkt. Und Dank auch den Kommentarpreisspenderinnen für die tollen Bücher, Kalender und mehr.

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Nun ist unsere Jury am Zug – Susanne Ackstaller, Annette Bopp, Momo Evers und Kerstin Hoffmann. Soeben sind die Bewertungsbögen an sie herausgegangen. Sie haben nun die Aufgabe, alle Texte zu lesen und ihnen je eine Punktezahl von 0 bis 3 zu geben. (0 = schlecht/keine Glosse, 3 = ausgezeichnete Glosse). Die Punkte werden im Anschluss addiert, die zehn Glossen, die die meisten Punkte haben, kommen weiter. Sie werden im E-Book zu lesen sein – und ihre Autorinnen haben außerdem die Chance, einen der ersten fünf Preise zu gewinnen, darunter einen Urlaub in Dänemark und Schmuck von TeNo.

Wenn die zehn besten Glossen feststehen, wird abgestimmt – wer will, kann teilnehmen, die Abstimmung ist öffentlich. Eine Stimme für die beste Glosse, und am Ende werden wir fünf Gewinner haben.

Bleibt also am Ball und lest immer mal rein, es wird spannend!

Andrea Groh am 16. November 2010, 09:11 | 0 Trackbacks | Glossen

Kommentar-Gewinnerin Glosse #29

Die 29. Kommentar-Gewinnerin steht fest! Die Norton Antivirussoftware mit 5 PC-Lizenzen hat gewonnen: Jutta Scherer!

Unsere Glücksfee, Andrea Alvermann, hat per Zufallszahlengenerator Kommentar Nummer 16 ermittelt.

Den Preis stellt Texttreff-Mitglied Andrea Alvermann zur Verfügung. Großen Dank dafür!

Sabine Schönberg am 16. November 2010, 09:11 | 0 Trackbacks | Glossen

Fr Nov 12, 2010

Kommentar-Gewinnerin Glosse #28

Der 28. Kommentar-Gewinnerin steht fest! Das Buch Dornseiff: „Der deutsche Wortschatz nach Sachgruppen“ inkl. CD hat gewonnen: Ina Baumbach.

Unsere Glücksfee, Andrea Alvermann, hat per Zufallszahlengenerator Kommentar Nummer 6 ermittelt.

Kurzbeschreibung:

"Thomas Mann benutzte ihn ebenso wie Lion Feuchtwanger, Paul Celan ebenso wie Hermann Kasack: den Dornseiff. Peter Hacks schrieb: "Zwei Schriftsteller, die sich zusammentäten, hätten zwei Zimmer, zwei Schreibtische und den Dornseiff doppelt." Den "Reichtum der deutschen Ausdrucksmittel" wollte Franz Dornseiff (1888-1960) dokumentieren, als er 1933 sein großes Wörterbuch zum ersten Mal vorlegte. Die Dichter haben sich dieser Schatztruhe der deutschen Sprache gerne bedient, und nicht nur sie.

Denn mit seinem einzigartigen Strukturierungsprinzip stellt der Dornseiff ein unverzichtbares Hilfsmittel für jeden Schreibenden dar, der bedeutungsverwandte Wörter (Synonyme) sucht, um seine Texte präziser und abwechslungsreicher zu formulieren. Über die stilistische Praxis hinaus ermöglicht der Dornseiff dem Sprachwissenschaftler differenzierte Wortschatzanalysen. Der Dornseiff bildet den gesamten deutschen Wortschatz nach Sachgruppen geordnet ab, d. h. nicht alphabetisch. So präsentiert jeder Eintrag eine Fülle von Wörtern aller Wortarten, die zur jeweiligen Sache bzw. einem Begriff gehören, und bietet so Information, Dokumentation und Inspiration in einem."

Den Preis stellt Texttreff-Mitglied Annette Lindstädt zur Verfügung. Großen Dank dafür!


Sabine Schönberg am 12. November 2010, 14:11 | 0 Trackbacks | Glossen

Kommentar-Gewinnerin Glosse #27

Die 27. Kommentar-Gewinnerin steht fest! Das Buch "PONS, Neue deutsche Rechtschreibung Band 1" hat gewonnen: Daniela Warndorf.

Unsere Glücksfee, Andrea Alvermann, hat per Zufallszahlengenerator Kommentar Nummer 10 ermittelt.

Kurzbeschreibung:
"Vollständige Neuentwicklung: rund 140.000 Stichwörter – umfassende Darstellung des deutschen Wortschatzes unter Berücksichtigung von Fachsprachen, Fremdwörtern und Anglizismen, z. B. Keyword, Megatrend, Outlet

Einfach und sicher: mit über 500.000 Informationen zu Aussprache, Bedeutung, Silbentrennungen, Stilebenen und Schreibvarianten

Besonders lesefreundlich: durch ein übersichtliches Layout und leichtverständliche Einträge

Hilfen: mit zahlreichen Infokästen und einem ausführlichen Regelteil auf schnellem und einfachem Weg zu allen gültigen Schreibweisen

Extras: Einführung in die Geschichte der Rechtschreibung, mit Zusatzkapiteln zu Grammatik und Textgestaltung."

Den Preis stellt Texttreff-Mitglied Birgit Schmidt-Hurtienne zur Verfügung. Vielen Dank dafür!


Sabine Schönberg am 12. November 2010, 10:11 | 0 Trackbacks | Glossen

Glosse #29: Zu viel des Guten

Das ist der 29. Beitrag zum Texttreff-Glossenschreibwettbewerb. Die Glossen werden anonym eingestellt.

Beitrag zum Thema: Ich seh mich schon in 20 (+20) Jahren

Zu viel des Guten

Schon als ich aus dem Treppenlift stieg und der Chauffeur mir in die Stretchlimousine half, wusste ich: Dieser Tag war zu viel des Guten.

Im Grunde hätte es weniger Glamour sein können, aber ohne Promis und roten Teppich ging es bei uns nicht mehr, seit diese jüngere Kollegin die Organisation der Netzwerktreffen übernommen hatte – übrigens eine Bestsellerautorin (für Kräuterbücher oder so) und ein gefragtes Seniormodel – gerade zarte 60 Jahre alt. Und außerdem waren die meisten Urmitglieder inzwischen selber reich und berühmt. Da waren auch die Ansprüche gewachsen.

Und ja, ich meine, es war angemessen, dass unserer Gründerin zu "We are the Champions" auf die Bühne schwebte – traumhaft, wie ihre rote Glitzerrobe funkelte –, mancher männliche Fan bekam Schweißausbrüche. Der unsichtbare Kran, der ihren Rollstuhl trug, hätte nicht quietschen dürfen, aber sonst war alles perfekt: Ein wundervoller 50. Gründungstag des Netzwerks und seiner großartigen Ableger, zum Beispiel der Netzwerk-Akademie.

Gäbe es die Akademie nicht, würde in Deutschland noch immer kein Deutsch gesprochen. "Genaugenommen Profideutsch", sagte die Akademiepräsidentin normalerweise, doch da sie sich gerade von einem Groupie (oder war es ein Gogo-Tänzer?) den Rücken massieren ließ, kam sie nicht dazu.

Mir kreischten all diese gecasteten Boygroups viel zu laut, aber vielleicht hatte ich auch nur mein Hörgerät falsch eingestellt. Entzückend waren dafür die blauen Kleidchen der Textgardinchen – so hießen mittlerweile die Kinder und Enkel der Textguards, die in ganz Deutschland schon im Kindergarten für Sprachverbesserung sorgen. Übrigens eine traumhafte Idee, die "Sex and the City"-Stars anlässlich ihres 20. Kinofilms ("Citysex Reloaded") auch zum Jubiläum einzuladen, aber mussten die Bahren von Samantha, Carrie, Charlotte und wie hieß sie noch gleich? ausgerechnet an einem Elefanten hängen?

Die Reporter unserer Netzwerkzeitschrift drängten sich drum herum, als hätten sie nichts anderes zu schreiben, dabei hatte sich unser Blatt zu einem wichtigen und seriösen Organ der Presselandschaft entwickelt – es war sozusagen der Textspiegel der Republik geworden und zuverlässiger Seismograf der Text- und Lebensqualität in Deutschland.

Wie auch immer, damit konnte ich mich nicht mehr beschäftigen, denn just da hob man auch mich auf die Bühne. Das war zuviel. Meine Brille beschlug und ich erkannte kaum die alte Madonna, die zeterte, weil ihre Tochter kein Backstage-Armbändchen bekommen hatte. Die Rührung überwältigte mich: Es war alles so schön, schöner ging nimmer. Wir schauten uns an: alte Netzwerkkolleginnen und inwendig jung gebliebene Stars. Unsere Visionen der schönen Textwelt hatten sich erfüllt. Unser Netzwerk war angekommen. Ganz oben. Wir nickten uns zu. Man konnte sich nicht allem versperren. Wir breiteten die Arme aus und ließen uns vom Bühnenrand fallen. Ein herausgefallenes Gebiss knirschte, als jemand darauf trat. Doch wir schwebten in die ausgestreckten Arme der Menge – das Netzwerk fing uns auf.

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Nachtrag: Die Gewinnerinnen des 1. TTSW stehen fest, die Namen der Autorinnen werden nun bekanntgegeben. Wer diesen Text geschrieben hat, steht links unter dem Artikel.

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Unsere drei Hauptpreis-Sponsoren:

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TT-Blog-Artikel über den Hauptpreis

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TT-Blog-Artikel über die TeNo-Preise

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TT-Blog-Artikel über den Billomat-Preis

Eva Engelken am 12. November 2010, 09:11 | 0 Trackbacks | Glossen

Do Nov 11, 2010

Glosse #28: Über 38!

Das ist der 28. Beitrag zum Texttreff-Glossenschreibwettbewerb. Die Glossen werden anonym eingestellt.

Beitrag zum Thema: Die schrägsten Vorlagen liefert die Politik

Über 38!

Manche Bücher nimmt man mit den Schlaf. So ging es mir neulich mit Sabine Asgodoms „Das Leben ist zu kurz für Knäckebrot“. Ich hatte einen dieser vitalen Träume. Ich träumte, dass Beth den Karl unter ihrem Überbusen begrub, weil der böse Alte ihre Mutti verhohnepiepelt hatte. Dann wurde Beth in die Regierung gewählt, und zusammen mit Crystal brachte sie ein Gesetz auf den Weg, das die Maße für Models neu festlegte. Unter Größe 38 ging nichts mehr, zu dürre Mädels mussten sich mühsam mästen, wenn sie wieder auf den Laufsteg wollten. Unter den aufgerissenen Augen der Öffentlichkeit spielten sich irre Szenen ab, die live im Abendfernsehen übertragen und auf YouTube zu Rennern wurden: Kate bei McDoof, wie sie mit Tränen in den Augen Burger in sich reinstopfte und beteuerte, dass sie für die Idealmaße alles, aber auch alles tun würde.

Die dicken Muttis rieben sich erstaunt die Augen: Was die Politik doch alles konnte! Erst verbot sie das Rauchen in Gaststätten, dann Magertussis im TV. Denn die Politik beließ es nicht bei der Mode, sondern reformierte auch den BMI und verbot dürre Haken in Fernsehen, Kino und Print. Dass wir uns richtig verstehen: Unter Größe 38 ging nichts! Die Naturdünnen, die nie hungern, diäten und sich selbst kasteien mussten, hatten halt Pech. Die durften zusammen mit ihren Hungergenossinnen zu Hause bleiben und zugucken, wie ihre Kolleginnen ab Größe 38 kometenhafte Aufstiege hinlegten. Was in den USA begann, breitete sich wie eine Epidemie aus. Deutschland war eines der ersten Länder, die das Über-38-Gesetz verabschiedeten.

Die schwulen Modemänner und die nichtschwulen Modekritikerinnen rauften sich das Haupthaar und schmissen die Flinte ins Korn. Nach einer Schmollsession kamen sie aber wieder und konnten auf einmal Mode für Normale machen beziehungsweise darüber schreiben, ohne die Wörter „fett“ und „gewöhnlich“ zu verwenden. Ein Kleid für 10.000 Euro kaufte sich Erna Wackernagel zwar immer noch nicht, aber zumindest konnte sie sich jetzt die sauteuren Klamotten an den eigenen Leib fantasieren.

Die öffentliche Dürre war also vorbei, die Dicken der Welt atmeten auf: Sie waren nicht mehr die Peinlichen, die Hässlichen, die Unnormalen, sie waren okay! Mütter mussten ihren Töchtern nicht mehr einimpfen, dass sie zu dick wären und Diät halten sollten. Dicke Managerinnen hatten keinen Dünnseinstress mehr und nahmen quasi nebenbei ab. Junge Mädels mussten sich nicht mehr dünnkotzen, denn im TV sahen sie richtige Frauen. Öffentliche Männer und Frauen, die immer noch über Dicke ablästerten, wurden aus den Medien verbannt. Kein Hahn krähte mehr nach ihnen.

Da dick nun nicht mehr doof beziehungsweise das neue Schwarz war, erwarteten die üblichen Unker, dass die Deutschen endgültig verfetten und die Krankenkassen sprengen würden. Das Gegenteil war der Fall. Denn endlich konnten alle aufatmen, deren Leben sich nur noch ums Essen (oder Nichtessen) gedreht hatte: Sie aßen einfach, und gut! Die Kosten durch Dicke sanken, die Kosten durch kranke Dünne, die eigentlich dick geplant waren (von Gott oder dem Kosmos) ebenfalls. Das hatte die Politik doch gut gemacht, waren sich alle – bis auf die neidischen Dürren – einig.

Die Lebensmittelindustrie war auch nicht so happy. Sie hatte das Projekt zuerst unterstützt, da sie steigende Umsätze durch hemmungsloses Essen und ebensolchen Konsum erwartet hatte. Doch der Schuss ging nach hinten los. Die Deutschen, die nicht mehr ständig ans Essen dachten, aßen eher weniger als mehr und hatten nebenbei noch Zeit für vernünftige Sachen. Die Diätindustrie ging pleite, da Frauen von nun an auf die leeren Versprechungen von Wunderwucher und Co. pfiffen.

Leute, das Aufwachen war hart. (Nur ein verdammter Traum!) In der realen Welt fühlen sich Dicke wie Parias, und die paffenden Politiker (die selbst oft genug fett sind) wollen dünne Menschen, weil die – angeblich – die Krankenkassen weniger belasten. Ich träum weiter!

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Nachtrag: Die Gewinnerinnen des 1. TTSW stehen fest, die Namen der Autorinnen werden nun bekanntgegeben. Wer diesen Text geschrieben hat, steht links unter dem Artikel.

Andrea Groh am 11. November 2010, 08:11 | 0 Trackbacks | Glossen

Mi Nov 10, 2010

Kommentar-Gewinner Glosse #26

Der 26. Kommentar-Gewinner steht fest! Die DVD „Wordpress. Das umfassende Training“ von Frank Bültge hat gewonnen: Matthias Groh.

Unsere Glücksfee, Andrea Alvermann, hat per Zufallszahlengenerator Kommentar Nummer 8 ermittelt.

Kurzbeschreibung:

"Wenn es um elektronisches Publizieren im Internet geht, hat sich Wordpress mittlerweile als Alternative zu den Platzhirschen Joomla! und Typo3 etabliert. Und dies zu Recht, denn neben seiner Funktion als Weblog-Software eignet es sich ebenso zur Erstellung klassischer Webseiten wie auch als Plattform für multimediale Inhalte. In diesem Video-Training zeigt Ihnen Frank Bültge – einer der bekanntesten deutschen WordPress-Buchautoren - was mit WordPress alles möglich ist. Von der Installation bis hin zur Anpassung von Themes und der Erweiterung mit Hilfe von Plugins: Schneller und anschaulicher kommen Sie nirgends zu Ihrem eigenen Blog."

Den Preis stellt Texttreff-Mitglied Biggi Mestmäcker zur Verfügung. Vielen Dank dafür!

Sabine Schönberg am 10. November 2010, 11:11 | 0 Trackbacks | Glossen

Kommentar-Gewinnerin Glosse #25

Die 25. Kommentar-Gewinnerin steht fest! Das Buch "Adobe Photoshop CS5. Das Praxisbuch zum Lernen und Nachschlagen" von Sibylle Mühlke hat gewonnen:
Renate Hermanns!

Unsere Glücksfee, Andrea Alvermann, hat per Zufallszahlengenerator Kommentar Nummer 6 ermittelt.

Kurzbeschreibung:

" * Das bewährte Standardwerk in neuer Auflage
* Photoshop von A bis Z auf über 1100 Seiten in Farbe
* Mit Referenzkarte und Video-Lektionen
* Großer Infoteil mit Tastenkürzeln, Insidertipps u.v.m.

Dieses Buch bietet Ihnen geballtes Photoshop-Wissen! Unsere Autorin Sibylle Mühlke hat darin alles, was es zu Photoshop CS5 zu wissen gibt, praxisnah und leicht verständlich für Sie aufbereitet. Es eignet sich sowohl als Nachschlagewerk zu allen Werkzeugen, Funktionen und Arbeitsweisen als auch zum Erlernen der Software, denn alle wichtigen Themen werden anhand von Praxisbeispielen erklärt.

Das Besondere: Das Buch passt sich Ihren Bedürfnissen an. Arbeiten Sie es Seite für Seite durch für einen kompletten Einblick in die Software, nutzen Sie den ausführlichen Index bei Fragen zu einer speziellen Funktion, schlagen Sie im Glossar bei Verständnisproblemen nach oder legen Sie die DVD mit den Video-Lektionen ein, wenn Sie schwierige Werkzeuge von einem Trainer erklärt bekommen möchten.

Komplett in Farbe, mit DVD, Referenzkarte, Infoteil, Glossar und Zusatzinfos im Web – hier finden Sie als Einsteiger oder Fortgeschrittener immer genau das, was Sie gerade brauchen!"

Den Preis stellt Texttreff-Mitglied und Autorin Sibylle Mühlke zur Verfügung. Vielen Dank für das Buch!

Sabine Schönberg am 10. November 2010, 09:11 | 0 Trackbacks | Glossen

Glosse #27: Unter der Tarnkappe

Das ist der 27. Beitrag zum Texttreff-Glossenschreibwettbewerb. Die Glossen werden anonym eingestellt.

Beitrag zum Thema: Ich seh mich schon in zwanzig Jahren

Unter der Tarnkappe

In zwanzig Jahren bin ich Privatdetektivin. Meine Erfolgsquote wird sagenhaft sein. Niemals wird mich jemand entdecken. Ich muss mir keine Gedanken um meine Rente machen: Mein Alter hat goldenen Boden.

Schon immer wollte ich sehen, ohne gesehen zu werden. Ich habe mich sogar einmal in einer Detektei vorgestellt. Doch die lehnten mich auf den ersten Blick ab. Nicht mal als unbezahlte Praktikantin wollten sie mich haben. Dabei hatte ich drei Wochen geübt, lautlos auf Kreppsohlen zu gehen. „Schauen Sie sich doch an“, sagten sie. „Sie sind einfach nicht zu übersehen.“

Es stimmt: Ich falle auf. Warenhausdetektive folgen mir, mürrische Männer starren mich an, Babys brechen in Tränen aus, sobald ich in ihren Wagen schaue.

Resigniert studierte ich Soziologie. Wenn ich die Leute schon nicht beobachten darf, so kann ich sie wenigstens ausfragen. Aber dasselbe ist es nicht.

Ich hatte mich damit abgefunden, dass das Beschatten ein Hobby bleiben würde, als mich eine ältere Kollegin in die Weisheit des Alters einführte.

„Frauen ab sechzig sind unsichtbar“, sagte sie.

Ich sah die Kollegin klar und deutlich. Sie trug ein knallrotes Twinset, grüne Jeans und ihre Haare leuchteten orange. Dass sie über sechzig war, wusste ich genau.

„Ja, du siehst mich“, sagte sie. „Du bist eine Frau. Aber Männer bemerken mich nicht.“

„Das kann nicht sein …“

„Du meinst, weil sie mit mir zusammenarbeiten? Sie nehmen mich nur als Kollegin wahr. Ihre Mütter sehen sie natürlich auch. Doch auf der Straße schauen Männer durch mich hindurch. Ich muss ausweichen, wenn ich nicht angerempelt werden will.“

Diese Männer mussten farbenblind sein.

In den nächsten Tagen folgte ich älteren Frauen. Natürlich fiel ich ihnen auf, aber sobald sie merkten, dass ich offensichtlich harmlos war, zwinkerten sie mir zu und gingen weiter. Männer schenkten ihnen keinen Blick, obwohl die meisten dieser Frauen erheblich besser aussahen als ich. Es konnte nicht an ihrem Äußeren liegen. Sie hatten entdeckt, wie sie sich tarnen konnten. Seit Jahrzehnten arbeitete ich daran, mit dem Hintergrund zu verschmelzen, und sie konnten es einfach.

Alle befragten Frauen über sechzig haben mir bestätigt, dass sie für Männer unsichtbar seien. Sie tragen eine soziale Tarnkappe. Sie könnten sie abnehmen. Aber zumeist wollen sie das nicht und gehen unbehelligt durch Männertrauben.

Bei mir stelle ich bislang keinerlei Fortschritte fest. Zwar werde ich allmählich weitsichtig und meine Falten graben sich tiefer ein. Ich begrüße diese Veränderungen. Doch so genau ich mich im Spiegel auch betrachte, ich beginne nicht zu verblassen. Ich erwarte, dass es an den Konturen einsetzen wird, aber noch ist alles klar umrissen. Vielleicht werde ich selbst den Effekt gar nicht bemerken, schließlich bin ich eine Frau.

Noch lange Jahre, bis ich endlich sechzig werde. Meine zweite Karriere habe ich schon fest geplant. Ich werde eine selbständige Detektei führen, mit Schwerpunkt auf weiblicher Kundschaft im gehobenen Alter. Die wird ohne viele Worte wissen, wo meine Stärke liegt. Ich werde vor allem an Orten ermitteln, an denen es von älteren Männern wimmelt: in Führungsetagen, Aufsichtsräten, Sachverständigenrunden, kirchlichen Gremien. Herrensaunen schließe ich bislang aus ästhetischen Gründen aus. Bordelle werde ich wohl nicht umgehen können. Ich hoffe, dass die anwesenden Frauen für die gute Sache gerne beide Augen zudrücken.

Aus verständlichen Gründen erläutere ich diese Pläne vor allem älteren Frauen. Jüngere Frauen zweifeln an meinem Verstand. „Wieso“, sagen sie, „sollten all diese schönen, starken, bunten Frauen unsichtbar sein?“ Sie haben noch nicht verstanden, wie die Welt funktioniert.

Wenn ich einem Mann von meiner Altersplanung erzähle, schaut er mich verständnislos an. „Frauen über sechzig? Das soll ein Markt sein? Die gibt's doch kaum.“

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Nachtrag: Die Gewinnerinnen des 1. TTSW stehen fest, die Namen der Autorinnen werden nun bekanntgegeben. Wer diesen Text geschrieben hat, steht links unter dem Artikel.

Katarina Pollner am 10. November 2010, 08:11 | 0 Trackbacks | Glossen

Di Nov 09, 2010

Glosse #26: Ein Traum von einem Kunden! Oder träumt die Texterin?

Das ist der 26. Beitrag zum Texttreff-Glossenschreibwettbewerb. Die Glossen werden anonym eingestellt.

Beitrag zum Thema: Das Leben einer Selbstständigen schreibt die besten Anekdoten

Ein Traum von einem Kunden! Oder träumt die Texterin?

Xing-Nachricht vom 09.10.2010, 9.02 Uhr (unverändert, ungekürzt):

Guten Tag, liebe Frau S.,

ich spreche Sie als Text-Fachfrau an. Wir haben gerade unsere Homepage neu gestaltet. Mich würde Ihre fachliche sowie persönliche Meinung zu den Texten, besonders der Startseite, interessieren. Für Kritik und Anregungen haben wir ein offenes Ohr und Auge.
Auf Ihre Antwort freue ich mich und bedanke mich herzlich.

Mit sonnigen Grüßen
A. R. Schlecker

Guten Tag, liebe Frau S. – Was für eine nette Begrüßung zum Spätstück! Den Kaffeepott auf dem Schreibtisch zwischen Tastatur und Bildschirm, die volle Müslischüssel vor mir, starte ich, freie Texterin, in den Arbeitstag. Erst mal checken, was sich im Xing-Netzwerk getan hat. Neue Kontaktanfragen, Events, Nachrichten, darunter eine Mail mit vertraulichem „liebe Frau S.“. Absender: ein A. R. Schlecker einer mir unbekannten Firma Definite Appearance. Die Appearance von Herrn Schlecker auf dem Profilfoto ist schon mal nicht schlecht. Und, hey, xingt da ein neuer Kunde mit einem Auftrag?

Ich spreche Sie als Text-Fachfrau an. – Das kommt gut! Da hat einer mein Können erkannt. Mein Xing-Profil ist auch wirklich überzeugend.
Der Satz mit richtigem Bindestrich spricht aber auch für ihn, den Prospect. Ein A Kunde, das sieht man gleich, anspruchsvoll und qualitätsbewusst, mit verlässlichem Budget. Kein Billigheimer, der auf fragwürdigen Dienstleister-Portalen wie MyHammer oder Textbroker herumschleicht. Es gibt sie also noch, die Kunden, die wissen, dass Profi-Arbeit sich auszahlt. Im Sommer war ich noch voller Selbstzweifel, fast bereit, meine Preise zu halbieren, so groß war das Auftragsloch – groß wie der Erdkrater von Schmalkalden.

Wir haben gerade unsere Homepage neu gestaltet. – Ja, fein! Da liegt meine Kernkompetenz. Auf Enterprise 2.0, Web 3.0 und B2B 4.0 bin ich fokussiert (große Webauftritte, nicht „Homepages“!). Ich verhelfe im Premium-Segment Global Playern zu Benefits, ROI und Mehrwert: durch spezifische Expertise, mit Best Practices für die Compliance und mit zertifizierten Hard- und Softskills.

Mich würde Ihre fachliche sowie persönliche Meinung zu den Texten, besonders der Startseite, interessieren. Für Kritik und Anregungen haben wir ein offenes Ohr und Auge. – Das nenne ich Mut zu Ehrlichkeit und Selbstkritik. Ich erkenne: A. R. sieht nicht nur gut aus; er besitzt auch emotionale Intelligenz, vor allem aber Empfänglichkeit für – ins offene Auge oder Ohr kommunizierte – kritische und anregende Worte. Überraschend nur, dass A. R. mich nicht um ein Angebot bittet.

Mit sonnigen Grüßen: A. R. Schlecker – Herzlichkeit, Wärme und Optimismus, die die Psyche aufbauen! Gäbe es nur mehr solcher wohltuenden Kunden!

Direkte Kommunikation …

Ich antworte sofort. Da ich A. R. mein Kurzprofil – mit schönem Foto von mir – mitschicken will und Xing keine Nachrichtenanhänge erlaubt, muss ich eine direkte E Mail senden. Dazu muss ich Schleckers Mail-Adresse herausfinden – die hatte er ebenso vergessen anzugeben wie die URL der zu begutachtenden Website von Definite Appearance. Bingo, et voilà: arschlecker@da.mn! Ich formuliere mein Danke (für die Anfrage) und Interesse (an einer Zusammenarbeit), nenne meinen Stundensatz, biete an, ein Angebot zu erstellen, und schließe mit besten Grüßen nach Sachsen-Anhalt.

… lösungsorientiert

Nach vier Wochen noch keine Nachricht von A. R. Schlecker. Eventuell ein Problem im Xing-Programm? Oder habe ich A. R. ohne es zu wollen irritiert, gar vor den Kopf gestoßen? Auch die versierteste Texterin kann sich mal in der Wortwahl oder im Schreibton vergreifen. Vielleicht sollte ich das Gespräch suchen, um die Situation und einen möglichen Konflikt zu klären? Ja, das wird das Beste sein. Morgen rufe ich A. R. an. Hoffentlich stellt die Vorzimmertussi mich durch. Wahrscheinlich hat er eine Stimme zum Dahinschmelzen. – Meine Strategie: Als Entgegenkommen und um den Auftrag einzutüten, den Stundensatz um zwei Drittel reduzieren.

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Nachtrag: Die Gewinnerinnen des 1. TTSW stehen fest, die Namen der Autorinnen werden nun bekanntgegeben. Wer diesen Text geschrieben hat, steht links unter dem Artikel.

Heike-M. Schmidt am 09. November 2010, 09:11 | 0 Trackbacks | Glossen

Mo Nov 08, 2010

Kommentar-Gewinnerin Glosse #24

Die 24. Kommentar-Gewinnerin steht fest! Den "Der Rechtsratgeber für Existenzgründer" von Eva Engelken hat gewonnen:
Anja Heppelmann!

Unsere Glücksfee, Andrea Alvermann, hat per Zufallszahlengenerator Kommentar Nummer 4 ermittelt.

Kurzbeschreibung:

"Juristische Fallstricke gibt es viele bei der Gründung eines Unternehmens. Wie schafft man den Schritt in die Selbstständigkeit ohne rechtliche Probleme? Was kann man selbst regeln und wann lässt man sich besser von einem Fachmann beraten? Eva Engelken behandelt die häufigsten juristischen Herausforderungen, die Existenzgründer zu meistern haben, und zeigt konkret, was jeweils zu tun ist. Ob es um die Anmeldung bei den Behörden geht, die optimale Rechtsform, notwendige Versicherungen oder um die juristisch abgesicherte Gründung mit Partnern - mit diesem Buch sind Existenzgründer auf der sicheren Seite."

Den Preis stellt Texttreff-Mitglied und Autorin Eva Engelken zur Verfügung. Vielen Dank für das Buch!

Sabine Schönberg am 08. November 2010, 10:11 | 0 Trackbacks | Glossen

Glosse #25: Neulich im Forum

Das ist der 25. Beitrag zum Texttreff-Glossenschreibwettbewerb. Die Glossen werden anonym eingestellt.

Beitrag zum Thema: Das Leben einer Selbstständigen schreibt die besten Anekdoten

Neulich im Forum

„Kann mir jemand sagen, wie das mit der Umsatzsteuer ist, wenn ich Belgien arbeite?“, fragte neulich im Forum ein Kollege.

Puh, schwierig. Ich legte meine Stirn in Falten, um die Hirntätigkeit anzuregen. Der Wechsel des Gesichtsausdrucks soll sich ja auf die inneren Organe auswirken, habe ich mal gelesen. Demnach erzeugt beispielsweise ein Lächeln gute Laune.

Ich faltete noch mein Gesicht, da kam schon die erste Antwort.

Der User schrieb: „Bin grad auf dem Sprung zum Termin! Aber interessante Frage!“

In meinem Gehirn war noch alles still. Vorsichtig neigte ich den Kopf nach rechts, um etwas Reibung zu erzeugen.

Da, die zweite Antwort: „Ich hab mal in Frankreich gearbeitet, da gibt es auch Umsatzsteuer“, schrieb die Userin. „Leider ist mir entfallen, wie das damals war. Ich kann aber gerne nochmal nachschauen. Nur ist es momentan leider etwas ungünstig, ich sitze an einem Angebotstext, der bis morgen raus muss.“

Ich neigte meinen Kopf nach links. Belgien, hm...

„Belgien kenn ich gut, da hab ich schonmal Urlaub gemacht. Zu dem Umsatzsteuerproblem könnte ich dir einen Buchtipp raussuchen. Soll ich? Diese Woche wird das allerdings nichts mehr, ich fliege gleich nach Basel“, schrieb einer.

Ich war lange nirgends mehr hingeflogen. Im Forum hagelte es jetzt Antworten.

„Hey, wie geht’s? Wann warst Du denn in Belgien? Zur Umsatzsteuer kann ich dir leider gar nichts sagen, davon hab ich keine Ahnung. Aber Mensch, das ist ja total schön, mal wieder was von Dir zu lesen! Gehe jetzt duschen.“

„Hallo, Du fragst genau das, was ich letztes Jahr auch klären musste. Ich schreibe zur Zeit ein Buch über die Spanischkenntnisse der Töchter von Züchtern mongolischer Rennmäuse und hab total wenig Zeit, aber das wird nächsten Monat fertig, und dann melde ich mich nochmal ganz ausführlich, ja? Bis dann!“

„Die Matheaufgaben von meinem Sohn liegen noch auf meinem Schreibtisch, außerdem muss ich den Geburtstagssprengsatz für meine Schwiegermutter basteln. Und mein Mann hat Hunger! Stress! Deshalb nur ein schneller Tipp: Frag doch mal jemanden, der sich auskennt!“

„Du, tut mir leid, bei mir ist grad Rauch auf dem Dachboden, die Kinder spielen da oben, gleich klingelt die Feuerwehr, muss aufmachen. Aber deine Frage ist spannend. Ich lass die rein und melde mich wieder, ja?“

Belgien – jetzt fiel es mir wieder ein, da hatte ich mal einen Workshop geleitet, und mit der Umsatzsteuer war es gar nicht so schwierig gewesen. Hey, das konnte ich erklären! Doch dann las ich die nächste Antwort:

„Belgien und Umsatzsteuer! Können wir für solche Themen bitte endlich ein Unterforum anlegen? Wann bitte soll ich denn hier die ganzen Fragen und Antworten lesen? Leute, ich kann es mir nicht leisten, mich den ganzen Tag durch so eine Postingflut durchzuwühlen. Ich muss arbeiten! Ich habe zu tun!“

Arbeiten! Zu tun haben! Keine Zeit! Da war ich ja gerade noch an der Totalblamage vorbeigeschrammt. Ich schämte mich in Grund und Boden ob meiner peinlichen Idee, die Umsatzsteuerfrage einfach zu beantworten, und loggte mich ganz schnell aus.

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Nachtrag: Die Gewinnerinnen des 1. TTSW stehen fest, die Namen der Autorinnen werden nun bekanntgegeben. Wer diesen Text geschrieben hat, steht links unter dem Artikel.

Gudrun Sonnenberg am 08. November 2010, 08:11 | 0 Trackbacks | Glossen

So Nov 07, 2010

Kommentar-Gewinnerin Glosse #23

Die 23. Kommentar-Gewinnerin steht fest! Den Kalender "Künstler und ihre Katzen 2011" von Detlef Bluhm hat gewonnen: Tanja Finke-Schürmann.

Unsere Glücksfee, Andrea Alvermann, hat per Zufallszahlengenerator Kommentar Nummer 5 ermittelt.

Kurzbeschreibung:

"Unzählige Zitate belegen die starke Affinität von Schriftstellern zu Katzen. Dieser Kalender verbindet 26 Katzendarstellungen von Auguste Renoir und Felix Vallotton bis Paul Klee und Max Beckmann mit Zitaten von Doris Lessing, Rosa Luxemburg, Patricia Highsmith und anderen. Ein begleitender Text erklärt Zitat, Bild und Wissenswertes rund um die Katze – fast eine kleine Katzenkulturgeschichte."

Den Preis stellt Texttreff-Mitglied und Mitorganisatorin des TTSW Daniela Dreuth zur Verfügung. Vielen Dank für den schönen Kalender!

Sabine Schönberg am 07. November 2010, 01:11 | 0 Trackbacks | Glossen

Fr Nov 05, 2010

Glosse #24: Saure Gurken

Das ist der 24. Beitrag zum Texttreff-Glossenschreibwettbewerb. Die Glossen werden anonym eingestellt.

Beitrag zum Thema: Das Leben einer Selbstständigen schreibt die besten Anekdoten

Saure Gurken

Vor meiner Bürotür liegen saure Gurken. Schön arrangiert inmitten von Senfkörnern, Essigbrühe und Glasscherben. Als ich vom freitagmorgendlichen Sport-mit-anschließendem-Kaffee-und-schnell-noch-Einkaufen zurückkam und hektisch die Tür aufschließen wollte, beide Arme voll mit Sporttasche, Klopapier-Familienpackung, Spülmittel, Restzeitung und Gurkenglas, fing die ganze Chose an zu rutschen – und was fiel natürlich als einziges zu Boden? Genau.

Schuld ist das Telefon. Warum muss es gerade jetzt klingeln? Eigentlich hatte ich mir das so schön ausgemalt: Ich komme zurück – heute etwas später, da mal nicht unter Zeitdruck – und kann mich endlich in aller Ruhe dem Newsletter widmen, mit dem ich seit Tagen schwanger gehe. Vor dem hab ich eh etwas Bammel. Wie fange ich an? Kann ich das überhaupt? Werden mir eine Telefonkonferenz und zwei ppt-Dateien wirklich genügen, um einen genialen Text aus dem Boden zu stampfen – einen, der alle in Verzückung geraten lässt? Bislang habe ich es nicht geschafft, diesen bohrenden Fragen nachzugehen, da sich der Auftrag einer guten Kundin täglich um hocheilige und wichtige Zusatzjobs erweitert hat. Man freut sich ja über treue Kunden! Jetzt aber ist alles erledigt, und ich fühle mich stark für den Newsletter.

Aber wie gesagt: das Telefon klingelt. Am anderen Ende ein Bekannter, zu dessen selbstgebastelter Broschüre ich aus reiner Freundschaft (na ja, er berät mich ab und zu juristisch …) meinen Senf abgegeben habe. Das war vor drei Wochen, seitdem hab ich nichts mehr gehört. Ich schrieb es dem Schock zu. Denn wie hatte er humorig angemerkt, "wir wollen sie jetzt eigentlich so in Druck geben – also wenn Du nicht allzu viel findest, wär's mir recht." Ja, wäre mir auch recht gewesen. Jetzt aber will er reden, und ich denke mir: bevor wir noch mal drüber diskutieren müssen … Am Schluss noch ein kurzer privater Austausch – sein Großer ist jetzt Klassenbester, er hat jede Menge Erfolgstipps für meinen Nachwuchs. Schönen Dank auch.

Gleich anschließend hechte ich ins Treppenhaus, bewaffnet mit Besen, Schaufel und Putzlappen. Es riecht schon ziemlich streng … Für den Schnitt im Finger muss ich dann erst mal ein Pflaster suchen. Jetzt könnte ich eigentlich – blinggg! Das ist Outlook: Ich muss gleich eine liebe Kollegin anrufen, um ein gemeinsames Projekt zu besprechen. Nach kurzem Geplänkel über die Auftragslage geht's ans Eingemachte: Ziele klären, Ideen entwickeln, nächste Schritte festlegen. Abschließend noch dies und das zur Wochenendplanung. Jetzt aber weiter im Text!

Da fällt mir ein: Ich muss dringend meinen Physiotherapeuten anrufen, mein Kreuz macht Mucken. Ach ja, und einen HNO-Termin brauch ich auch. Dann aber wirklich … Halt!!! Noch gaanz schnell die Einladung zum Elternstammtisch raushauen, sonst kommt sie nicht mehr rechtzeitig an. Also, Text flugs anpassen, ausdrucken und – Telefon! Eine Bekannte, für deren neue Website ich getextet habe. Gegen Geld diesmal, ihr Geschäft läuft super. Sie hat Feedback, das machen wir natürlich gleich. Schließlich wartet der Webdesigner. Und ich kann dann die Rechnung stellen, la-la-la! Noch fix ein paar Dinge abändern, und ab die Post. Anschließend noch eben meinen Elektriker alarmieren – der Trafo im Flur hat den Geist aufgegeben.

Jetzt kann ich ja wohl … da geht die Wohnungstür auf, Kind kommt nach Hause. Eine Vier in Mathe, aha. Gab's sonst noch was? Nöö. Aber bei mir gibt's was, nämlich Hunger. Gurken hab ich ja jetzt jede Menge – die, die ich noch retten konnte nämlich, und die müssen weg. Dazu schnell zwei Stullen geschmiert, so viel Zeit muss sein. Zurück an den PC. Kurz die Mails gecheckt: eBay meldet mir, dass die Auktion für die Kinderstiefel abläuft. Da muss ich mitmischen, dauert eh nur ein paar Minütchen. So, erledigt. Aber JETZT kann ich doch endlich an meinen Newsletter gehen?!

Komisch, irgendwie ist bei mir die Luft raus – die Stärke vom Morgen spüre ich nicht mehr. Wie das? Ein Blick auf die Uhr verrät, warum: Es ist fast fünf. Wir müssen aus dem Haus, das Kind kriegt Einlagen angepasst. War wohl nix mit Newsletter. Naja, es gibt ja noch das Wochenende.

Saure-Gurken-Zeit? Gibt's bei mir selten. Ich bin immer ziemlich beschäftigt. Freiberuflerin und Mutter eben … Noch Fragen?

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Nachtrag: Die Gewinnerinnen des 1. TTSW stehen fest, die Namen der Autorinnen werden nun bekanntgegeben. Wer diesen Text geschrieben hat, steht links unter dem Artikel.

Jutta Scherer am 05. November 2010, 14:11 | 0 Trackbacks | Glossen

Kommentar-Gewinnerin Glosse #22

Die 22. Kommentar-Gewinnerin steht fest! Den Roman „Goldbrokat“ von Andrea Schacht hat gewonnen: Julia Ritter.

Unsere Glücksfee, Andrea Alvermann, hat per Zufallszahlengenerator Kommentar Nummer 9 ermittelt.

Kurzbeschreibung:

"Der Eklat, den sie mit ihrem losen Mundwerk verursacht hat, ist zum Stadtgespräch geworden. Seither kann die aus verarmtem Adel stammende Ariane mit den Damen der gutbürgerlichen Gesellschaft nicht mehr rechnen, auch wenn sie mit Nadel und Faden die schönsten Seidengewänder kreiert. Doch sobald sie für das neue Revuetheater der Halbweltdame LouLou schneidert, werden ihre Kleider hochbegehrt, und ein Seidenlieferant liegt ihr bald überdies zu Füßen. Aber kaum hat sich alles scheinbar zum Guten gewendet, holt ihre sorgsam verborgene Vergangenheit sie ein, und ein alter Todfeind versucht sie zu ruinieren. Um ihre Existenz zu retten, kann ihr nur noch eines helfen: kostbare Seide aus China!"

Den Preis stellt Ricarda Ohligschläger vom Literaturnotiz-Blog zur Verfügung. Vielen Dank für das Buch!

Sabine Schönberg am 05. November 2010, 07:11 | 0 Trackbacks | Glossen

Do Nov 04, 2010

Typisch Eltern – (K)ein Erziehungsratgeber

Wie (v)erzieht man seine Kinder? Diese Frage müssen alle Eltern in irgendeiner Weise beantworten können. Man weiß schließlich, was man da tut!

Für die Eltern, die noch nicht so richtig wissen, was sie da eigentlich tun, hat Texttreff-Mitglied Felicitas Römer ein Buch, keinen Erziehungsratgeber(!), geschrieben. Sie beschreibt 7 Elterntypen und deren Erziehungsstile, die Eltern dabei helfen sollen, ihren eigenen Weg zu finden.

Bild-Alternativtext fehlt

Felicitas Römer beschreibt ihr Buch „Typisch Eltern. 7 Wege, Kinder zu (v)erziehen“ folgendermaßen:

"Um es gleich zu sagen: Dies ist kein Erziehungsratgeber.
Zumindest keiner, der Ihnen vorschreiben will, wie Sie Ihr Kind zu erziehen hätten. Sie werden hier keine Rezepte zur Kindererziehung oder Patentlösungen für Familienkonflikte finden, die es ohnehin nur auf dem Papier gibt und im „echtem Leben“ nichts nutzen. Und ich werde Ihnen auch keinen pädagogischen Kanon präsentieren, von dessen Richtigkeit ich Sie wortstark überzeugen möchte.
Es gibt nämlich verschiedene Wege, erfolgreich Kinder zu erziehen. Keiner davon ist im eigentlichen Sinne „besser“ oder „schlechter“ als der andere, jeder hat Vorteile und birgt gewisse Risiken und Nebenwirkungen. Um diese verschiedenen Möglichkeiten wird es in diesem Buch gehen.
Wenn Sie also lieber selber denken, als sich von „Experten“ etwas vorschreiben zu lassen, und Lust haben, an Ihrem ganz persönlichen Erziehungsstil zu feilen, dann halten Sie genau die passende Lektüre in der Hand. Denn sie bietet Ihnen neben einem Überblick über die derzeit virulentesten Eltern-Typen auch zahlreiche Anregungen, sich über das eigene Erziehungsverhalten bewusster zu werden."

Bild-Alternativtext fehlt

Felicitas Römer. Typisch Eltern. 7 Wege, Kinder zu (v)erziehen.
209 fröhliche und ernsthafte Seiten über die hohe Kunst der Kindererziehung, mit heiteren Illustrationen von Jens Rassmus, Walter Verlag

Katrin Zinoun am 04. November 2010, 18:11 | 0 Trackbacks | Bücher

Glosse #23: Mmmmöööööhhhhh!!!!!

Das ist der 23. Beitrag zum Texttreff-Glossenschreibwettbewerb. Die Glossen werden anonym eingestellt.

Beitrag zum Thema: Das Leben einer Selbstständigen schreibt die besten Anekdoten

Mmmmöööööhhhhh!!!!!

Ich sitze in der Mittagspause auf meinem Balkon und genieße ein paar Herbstsonnenstrahlen. Plötzlich ertönt es mir gegenüber, aus Richtung Wald und Wiesen: Ein wiederholtes, lautstarkes Mmmmöööööhhhhh!!!!! Klingt ein bisschen wie eine kranke Kuh, die um Hilfe schreit.

Aber es ist keine kranke Kuh, die muht. Es ist ein Hirsch. Ein Damhirsch vermutlich. Er wandert herum und röhrt. Man kann ihn weithin röhren hören. Mmmmöööööhhhhh!!!!! Er will – eine Hirschkuh. Mindestens. Und zwar jetzt. Mmmmöööööhhhhh!!!!! Ganz schön ungeduldig, der Herr ...

Des Nachts sind noch ganz andere Töne zu hören. Nicht mmmmöööööhhhhh, sondern eher mieeeeaaaaou. Oder chchcheeeeaouu. Oder einfach nur eeeeaouuu. Nachbars Kater will eine Katz. Lautstark. Aber nicht jede Katz will Nachbars Kater. Oh ja. Beziehungsweise, oh nein.

Es ist Herbst. Eindeutig. Ich sitze in der Sonne und schmunzele vor mich hin. Der Gedanke an das – ganzjährige – Brunftverhalten menschlicher Hirsche und Kater drängt sich auf. Daran, was diese so alles von sich geben, wenn ihre Natur sie überkommt. Zum Schmunzeln.

Zum verständnisvollen Schmunzeln. Es liegt halt in der Natur der männlichen Wesen dieser Welt. Und wir Weibchen haben schließlich ebenfalls unsere Wünsche und Ansprüche. Auch wenn wir nicht gerade röhren oder merollen, um sie zu äußern. Nein, wir haben da unsere ganz eigene Art. Eher dezent und unterschwellig als lautstark. Oder muss mann jetzt frau sein, um das zu verstehen?

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Nachtrag: Die Gewinnerinnen des 1. TTSW stehen fest, die Namen der Autorinnen werden nun bekanntgegeben. Wer diesen Text geschrieben hat, steht links unter dem Artikel.

Claudia Keck am 04. November 2010, 15:11 | 0 Trackbacks | Glossen

Mi Nov 03, 2010

Kommentar-Gewinnerin Glosse #21

Die 21. Kommentar-Gewinnerin steht fest! Das Buch „Fürchtet Euch nicht! Der neue Krimi-Adventskalender“, herausgegeben von Gisa Klönne hat gewonnen: Kathrin Hentzschel.

Unsere Glücksfee, Andrea Alvermann, hat per Zufallszahlengenerator Kommentar Nummer 9 ermittelt.

Kurzbeschreibung:

"Gisa Klönne stellt nach ihrem Riesenerfolg mit Leise rieselt der Schnee einen neuen Krimi-Adventskalender zusammen: 24 mörderische Weihnachtsgeschichten namhafter deutscher Krimiautoren wie Friedrich Ani, Oliver Bottini, Anne Chaplet, Sabine Deitmer, Carsten Sebastian Henn, Regula Venske u.v.a. Die perfekte Lektüre für dunkle Adventsabende!"

Den Preis stellt Texttreff-Mitglied und Autorin Nessa Altura zur Verfügung, von der eine der Geschichten stammt. Vielen Dank für das Buch!

Sabine Schönberg am 03. November 2010, 22:11 | 0 Trackbacks | Glossen

Glosse #22: Die absolute Freiheit – oder?!

Das ist der 22. Beitrag zum Texttreff-Glossenschreibwettbewerb. Die Glossen werden anonym eingestellt.

Beitrag zum Thema: Das Leben einer Selbstständigen schreibt die besten Anekdoten

Die absolute Freiheit – oder?!

„Als Selbstständige kann ich überall arbeiten, ob hinter dem Elb- oder sonst einem Deich, in Rom, Paris oder - wie jetzt gerade - auf einer Insel.“ Diese Botschaft verkünde ich immer wieder gerne ungläubig Staunenden, die nicht verstehen, wie ich hier oder anderswo im Garten sitzend oder mitten am Tag spazieren gehend tatsächlich Geld verdienen kann – vorausgesetzt, ja, immer vorausgesetzt, ich bin über WLAN oder sonst irgendwie mit dem weltweiten Netz verbunden.

Doch was, wenn diese elementare Voraussetzung einmal nicht erfüllt ist, wenn ich an einem der schönen oben aufgezählten Arbeitsplätze (ich darf ergänzen: Hängematte, Bett, Sofa ...) keinen Zugang zum Netz habe, einfach, weil mein Telefon- und Internetzugang seit Wochen nicht freigeschaltet wird? So geschehen vor ein paar Monaten nach meiner Umsiedelung auf die Pudding-Insel.
Dann telefoniere ich, natürlich auf meine Kosten, immer und immer wieder – erfolglos – mit der Telefongesellschaft, deren immer wechselnde Callcenter-Mitarbeiter mich bei jedem Telefonat erneut zwingen, mich durch Username und die ersten drei Buchstaben meines Passwortes zu identifizieren, Telefondosen ab- und wieder anzuschrauben, mich damit zu beschäftigen, was ein exchange point oder – anscheinend noch wichtiger – ein tiepair sein könnte. Dann suche ich Ausweichmöglichkeiten, finde Unterschlupf in der örtlichen Leihbücherei, die riesige Steinzeitrechner zur Verfügung stellt, damit die Bewohner dieser kleinen Stadt in den Genuss der unendlichen Weiten des Netzes gelangen – und ich meine Texte an meine Kunden schicken kann. Nur hat die Bücherei sehr eingeschränkte Öffnungszeiten. Was also tun in der Zwischenzeit, wenn gerade besonders zeitnahe Kommunikation mit einem anspruchsvollen Kunden erforderlich ist, Texte eng abgestimmt, Übersetzungen an die geduldige muttersprachliche Kollegin gesandt und Abgabetermine eingehalten werden müssen?!

Als freiberuflicher, freiheitsliebender Mensch wird man in der Not erfinderisch: Teilweise arbeitete ich in der überhitzten Wohnung meiner Maklerin, die ein Erbarmen mit mir hatte, als sie mich auf den kalten Steinstufen vor ihrer Haustür ihr WLAN schnorrend vorfand, meistens jedoch diente eine Mülltonne als Stehpult, die vor dem Eingang zu einer Autowerkstatt steht, dem einzigen „Hotspot“ im Ort. Ich hatte mich schon fast daran gewöhnt, meine Texte und E-Mails zu Hause zu verfassen und sie mit dem MacBook unterm Arm zur Mülltonne zu bringen, wären da nicht immer diese Anrufe besagter Callcenter gewesen, die mir Woche für Woche neue definitive Termine nannten, zu denen „ganz sicher“ alles funktionieren würde – was es nie tat. DAS brachte mich schier an den Rande der Verzweiflung, nicht die Büchereirechner, das muffige Wohnzimmer oder gar meine Tonne! Als schließlich ein wirklicher Mensch vor meiner Haustür stand, der heiß ersehnte Techniker, schloss ich hinter ihm ab und teilte ihm freundlich mit, dass ich ihn nicht eher gehen lassen würde, bis ich einen Internetzugang hätte. Ich gebe zu, dass ich unverhältnismäßig starke Gefühle gegenüber diesem Telefontechniker hatte. Er ließ sich wohl einschüchtern – auf jeden Fall funktionierte alles, als er mich schließlich verließ.

Und die Moral von der Geschicht: Nicht einmal die oben genannte Einschränkung kann mich davon abhalten, frei und ungebunden von ungewöhnlichen Orten aus zu arbeiten. Zugegebenermaßen ist es jedoch wesentlich bequemer, diese Zeilen von meinem Swopper aus zu schreiben und mich dabei von den vielfältigen Versuchungen ablenken zu lassen, die ein ständiger Zugang zum Internet mit sich bringt ... Die Mülltonne ist wieder eine Mülltonne, allein ich weiß: Sie ist viel mehr als das.

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Nachtrag: Die Gewinnerinnen des 1. TTSW stehen fest, die Namen der Autorinnen werden nun bekanntgegeben. Wer diesen Text geschrieben hat, steht links unter dem Artikel.

Antje Ritter am 03. November 2010, 14:11 | 0 Trackbacks | Glossen

Di Nov 02, 2010

Kommentar-Gewinnerin Glosse #20

Die 20. Kommentar-Gewinnerin steht fest! Den Ulmers Gartenkalender 2011 hat gewonnen: Heide Liebmann.

Unsere Glücksfee, Andrea Alvermann, hat per Zufallszahlengenerator Kommentar Nummer 5 ermittelt.

Kurzbeschreibung:

"Der Ulmer Gartenkalender bietet Ihnen eine Fülle aktueller Informationen zu Obst, Gemüse und Zierpflanzen. Tipps und Tricks rund um den Garten, Praxisratschläge, Neuheiten aus der „grünen“ Branche und traditionserprobtes Gärtnerwissen – kompakt und leicht verständlich geschrieben von Gartenkennern für Praktiker. Entdecken Sie außerdem die jährlich wechselnden Sonderseiten und spannende Trendthemen. Lassen Sie sich kompetent durch Ihr Gartenjahr begleiten!"

Den Preis stellt Texttreff-Mitglied und Lektorin Sigrun Künkele zur Verfügung. Vielen Dank für den Kalender!

Sabine Schönberg am 02. November 2010, 21:11 | 0 Trackbacks | Glossen

Glosse #21: Ich und die anderen

Das ist der 21. Beitrag zum Texttreff-Glossenschreibwettbewerb. Die Glossen werden anonym eingestellt.

Beitrag zum Thema: Das Leben einer Selbstständigen schreibt die besten Anekdoten

Ich und die anderen

„Es ist neun Uhr! Alle zur Projektbesprechung in mein Büro!” rufe ich aufmunternd in den Flur und setze mich an meinen Schreibtisch. Hochmotiviert, mit Blick auf die Tür. Dabei weiß ich ganz genau, dass ich auch heute vergeblich warten werde – und am Ende doch wieder alles alleine mache. Denn das Team, das bin ich. Nur ich.

Das Meeting halte ich deshalb auch relativ kurz. Als Geschäftsführerin gebe ich die absurde Deadline weiter, die ich gestern dem Kunden versprochen habe. Die Seniortexterin in meinem Kopf stöhnt genervt, die Juniortexterin schnappt entsetzt nach Luft. In der Rolle der Marketingleitung grinse ich fröhlich „Hey, no problem. Keep cool. Das ist unsere USP!”. Den Finanzvorstand mit seinen Bedenken wegen der fehlenden Auftragsbestätigung würge ich einfach ab. Ich muss jetzt wirklich anfangen. Wenn ich mich dennoch bei prokrastinierenden Tätigkeiten erwische, setze ich sofort mein Chefgesicht auf und schicke die Praktikantin Kaffee holen.

Lange Zeit fand ich diese Besprechungen nicht bedenklich, sondern konstruktiv. Die Kollegen in meiner neuen Selbsthilfegruppe sahen das anders: „So hat es bei mir auch angefangen!“ rief einer. Eine Frau murmelte nachdenklich etwas von multipler Persönlichkeitsstörung. Man einigte sich zu meiner Erleichterung vorerst auf die Diagnose „Selbstgespräche“, beschloss jedoch, dass ich sofort etwas dagegen unternehmen musste. Als Neuzugang in der Gruppe der anonymen HONOS (Home Office, NO Staff) hielt ich mich zunächst mit Gegenkommentaren zurück. Aber die so kritischen Teilnehmer hatten bestimmt auch letzte Woche ihren Drucker angeschrien, ihr Moleskine gestreichelt oder zu ihrer Lesebrille gesagt: „Na, dich muss ich aber auch mal wieder putzen!“

Da ich aber etwas lernen wollte, hörte ich mir die vielen Ratschläge der Betroffenen an, wie ich der drohenden einsamkeitsinduzierten Psychose entgehen könnte. Ich sollte jede Gelegenheit nutzen, um mit Menschen zu reden. Akquirieren, Netzwerken, Kooperieren – das sei der Schlüssel. Jeden Tag einmal vor die Tür gehen. Ich schrieb eifrig mit.

Seitdem ist nichts mehr wie es war. Der Kontakt zu meinen Kunden ist viel intensiver geworden, weil ich jedes Gespräch nutze, um mit ihnen meine Geschäftsstrategie zu diskutieren oder sie über wichtige private Ereignisse zu informieren. An der Käsetheke bilden sich hinter mir lange Schlangen, weil ich die Verkäuferin in eine wirklich interessante Diskussion über die Herstellung von Manchego verwickele. Freunde, die in ihrer Mittagspause nur kurz telefonisch einen Termin absprechen wollten, erhalten einen detaillierten und packenden 45-Minuten-Bericht über mein Leben in den letzten drei Tagen. Ja, und auch der Postbote grüßt aufmerksam, wenn er mich privat in einem ganz anderen Stadtviertel im Supermarkt trifft, weil er inzwischen meine sämtlichen Krankengeschichten auswendig kennt.

Auf diese Weise habe ich es tatsächlich inzwischen geschafft, mit meinen internen Selbstgesprächen komplett aufzuhören. Ich bin sehr stolz. Also, jedenfalls ist mir das schon lange nicht mehr passiert. Doch gestern! Nein! Doch! Nein. Doch, habe ich genau gehört. Nein! Doch! Ey. Ruhe da hinten! Keep cool. No problem.

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Nachtrag: Die Gewinnerinnen des 1. TTSW stehen fest, die Namen der Autorinnen werden nun bekanntgegeben. Wer diesen Text geschrieben hat, steht links unter dem Artikel.

Tanja Finke-Schürmann am 02. November 2010, 13:11 | 0 Trackbacks | Glossen

Mo Nov 01, 2010

Kommentar-Gewinnerin Glosse #19

Die 19. Kommentar-Gewinnerin steht fest! Das Buch "New Orleans Love Magic" von Julia Ritter hat gewonnen:
Birte Mirbach!

Unsere Glücksfee, Andrea Alvermann, hat per Zufallszahlengenerator Kommentar Nummer 5 ermittelt.

Kurzbeschreibung:

"Evie freut sich riesig auf die Hochzeit ihres Vaters in New Orleans, zu der sie ihre beste Freundin Anne mitnehmen darf. Als sich aber beide in Evies neuen Stiefbruder Adam verlieben, herrscht dicke Luft. Ob ein Voodoo-Zauber Evie helfen kann, Adam für sich zu gewinnen?

* Altersempfehlung: ab 12 Jahren
* Geeignet für: ab 4 Jahren Englisch."

Den Preis stellt die Autorin, Texttreff-Mitglied Julia Ritter, zur Verfügung. Vielen Dank für das Buch!

Sabine Schönberg am 01. November 2010, 18:11 | 0 Trackbacks | Glossen