Freitag, 12. November 2010

Kommentar-Gewinnerin Glosse #27

Die 27. Kommentar-Gewinnerin steht fest! Das Buch "PONS, Neue deutsche Rechtschreibung Band 1" hat gewonnen: Daniela Warndorf.

Unsere Glücksfee, Andrea Alvermann, hat per Zufallszahlengenerator Kommentar Nummer 10 ermittelt.

Kurzbeschreibung:
"Vollständige Neuentwicklung: rund 140.000 Stichwörter – umfassende Darstellung des deutschen Wortschatzes unter Berücksichtigung von Fachsprachen, Fremdwörtern und Anglizismen, z. B. Keyword, Megatrend, Outlet

Einfach und sicher: mit über 500.000 Informationen zu Aussprache, Bedeutung, Silbentrennungen, Stilebenen und Schreibvarianten

Besonders lesefreundlich: durch ein übersichtliches Layout und leichtverständliche Einträge

Hilfen: mit zahlreichen Infokästen und einem ausführlichen Regelteil auf schnellem und einfachem Weg zu allen gültigen Schreibweisen

Extras: Einführung in die Geschichte der Rechtschreibung, mit Zusatzkapiteln zu Grammatik und Textgestaltung."

Den Preis stellt Texttreff-Mitglied Birgit Schmidt-Hurtienne zur Verfügung. Vielen Dank dafür!


# | Sabine Schönberg am 12.11.10 | Druck
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Glosse #29: Zu viel des Guten

Das ist der 29. Beitrag zum Texttreff-Glossenschreibwettbewerb. Die Glossen werden anonym eingestellt.

Beitrag zum Thema: Ich seh mich schon in 20 (+20) Jahren

Zu viel des Guten

Schon als ich aus dem Treppenlift stieg und der Chauffeur mir in die Stretchlimousine half, wusste ich: Dieser Tag war zu viel des Guten.

Im Grunde hätte es weniger Glamour sein können, aber ohne Promis und roten Teppich ging es bei uns nicht mehr, seit diese jüngere Kollegin die Organisation der Netzwerktreffen übernommen hatte – übrigens eine Bestsellerautorin (für Kräuterbücher oder so) und ein gefragtes Seniormodel – gerade zarte 60 Jahre alt. Und außerdem waren die meisten Urmitglieder inzwischen selber reich und berühmt. Da waren auch die Ansprüche gewachsen.

Und ja, ich meine, es war angemessen, dass unserer Gründerin zu "We are the Champions" auf die Bühne schwebte – traumhaft, wie ihre rote Glitzerrobe funkelte –, mancher männliche Fan bekam Schweißausbrüche. Der unsichtbare Kran, der ihren Rollstuhl trug, hätte nicht quietschen dürfen, aber sonst war alles perfekt: Ein wundervoller 50. Gründungstag des Netzwerks und seiner großartigen Ableger, zum Beispiel der Netzwerk-Akademie.

Gäbe es die Akademie nicht, würde in Deutschland noch immer kein Deutsch gesprochen. "Genaugenommen Profideutsch", sagte die Akademiepräsidentin normalerweise, doch da sie sich gerade von einem Groupie (oder war es ein Gogo-Tänzer?) den Rücken massieren ließ, kam sie nicht dazu.

Mir kreischten all diese gecasteten Boygroups viel zu laut, aber vielleicht hatte ich auch nur mein Hörgerät falsch eingestellt. Entzückend waren dafür die blauen Kleidchen der Textgardinchen – so hießen mittlerweile die Kinder und Enkel der Textguards, die in ganz Deutschland schon im Kindergarten für Sprachverbesserung sorgen. Übrigens eine traumhafte Idee, die "Sex and the City"-Stars anlässlich ihres 20. Kinofilms ("Citysex Reloaded") auch zum Jubiläum einzuladen, aber mussten die Bahren von Samantha, Carrie, Charlotte und wie hieß sie noch gleich? ausgerechnet an einem Elefanten hängen?

Die Reporter unserer Netzwerkzeitschrift drängten sich drum herum, als hätten sie nichts anderes zu schreiben, dabei hatte sich unser Blatt zu einem wichtigen und seriösen Organ der Presselandschaft entwickelt – es war sozusagen der Textspiegel der Republik geworden und zuverlässiger Seismograf der Text- und Lebensqualität in Deutschland.

Wie auch immer, damit konnte ich mich nicht mehr beschäftigen, denn just da hob man auch mich auf die Bühne. Das war zuviel. Meine Brille beschlug und ich erkannte kaum die alte Madonna, die zeterte, weil ihre Tochter kein Backstage-Armbändchen bekommen hatte. Die Rührung überwältigte mich: Es war alles so schön, schöner ging nimmer. Wir schauten uns an: alte Netzwerkkolleginnen und inwendig jung gebliebene Stars. Unsere Visionen der schönen Textwelt hatten sich erfüllt. Unser Netzwerk war angekommen. Ganz oben. Wir nickten uns zu. Man konnte sich nicht allem versperren. Wir breiteten die Arme aus und ließen uns vom Bühnenrand fallen. Ein herausgefallenes Gebiss knirschte, als jemand darauf trat. Doch wir schwebten in die ausgestreckten Arme der Menge – das Netzwerk fing uns auf.

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Nachtrag: Die Gewinnerinnen des 1. TTSW stehen fest, die Namen der Autorinnen werden nun bekanntgegeben. Wer diesen Text geschrieben hat, steht links unter dem Artikel.

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Unsere drei Hauptpreis-Sponsoren:

Bild-Alternativtext fehlt

TT-Blog-Artikel über den Hauptpreis

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TT-Blog-Artikel über die TeNo-Preise

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TT-Blog-Artikel über den Billomat-Preis

# | Eva Engelken am 12.11.10 | Druck
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Donnerstag, 11. November 2010

Glosse #28: Über 38!

Das ist der 28. Beitrag zum Texttreff-Glossenschreibwettbewerb. Die Glossen werden anonym eingestellt.

Beitrag zum Thema: Die schrägsten Vorlagen liefert die Politik

Über 38!

Manche Bücher nimmt man mit den Schlaf. So ging es mir neulich mit Sabine Asgodoms „Das Leben ist zu kurz für Knäckebrot“. Ich hatte einen dieser vitalen Träume. Ich träumte, dass Beth den Karl unter ihrem Überbusen begrub, weil der böse Alte ihre Mutti verhohnepiepelt hatte. Dann wurde Beth in die Regierung gewählt, und zusammen mit Crystal brachte sie ein Gesetz auf den Weg, das die Maße für Models neu festlegte. Unter Größe 38 ging nichts mehr, zu dürre Mädels mussten sich mühsam mästen, wenn sie wieder auf den Laufsteg wollten. Unter den aufgerissenen Augen der Öffentlichkeit spielten sich irre Szenen ab, die live im Abendfernsehen übertragen und auf YouTube zu Rennern wurden: Kate bei McDoof, wie sie mit Tränen in den Augen Burger in sich reinstopfte und beteuerte, dass sie für die Idealmaße alles, aber auch alles tun würde.

Die dicken Muttis rieben sich erstaunt die Augen: Was die Politik doch alles konnte! Erst verbot sie das Rauchen in Gaststätten, dann Magertussis im TV. Denn die Politik beließ es nicht bei der Mode, sondern reformierte auch den BMI und verbot dürre Haken in Fernsehen, Kino und Print. Dass wir uns richtig verstehen: Unter Größe 38 ging nichts! Die Naturdünnen, die nie hungern, diäten und sich selbst kasteien mussten, hatten halt Pech. Die durften zusammen mit ihren Hungergenossinnen zu Hause bleiben und zugucken, wie ihre Kolleginnen ab Größe 38 kometenhafte Aufstiege hinlegten. Was in den USA begann, breitete sich wie eine Epidemie aus. Deutschland war eines der ersten Länder, die das Über-38-Gesetz verabschiedeten.

Die schwulen Modemänner und die nichtschwulen Modekritikerinnen rauften sich das Haupthaar und schmissen die Flinte ins Korn. Nach einer Schmollsession kamen sie aber wieder und konnten auf einmal Mode für Normale machen beziehungsweise darüber schreiben, ohne die Wörter „fett“ und „gewöhnlich“ zu verwenden. Ein Kleid für 10.000 Euro kaufte sich Erna Wackernagel zwar immer noch nicht, aber zumindest konnte sie sich jetzt die sauteuren Klamotten an den eigenen Leib fantasieren.

Die öffentliche Dürre war also vorbei, die Dicken der Welt atmeten auf: Sie waren nicht mehr die Peinlichen, die Hässlichen, die Unnormalen, sie waren okay! Mütter mussten ihren Töchtern nicht mehr einimpfen, dass sie zu dick wären und Diät halten sollten. Dicke Managerinnen hatten keinen Dünnseinstress mehr und nahmen quasi nebenbei ab. Junge Mädels mussten sich nicht mehr dünnkotzen, denn im TV sahen sie richtige Frauen. Öffentliche Männer und Frauen, die immer noch über Dicke ablästerten, wurden aus den Medien verbannt. Kein Hahn krähte mehr nach ihnen.

Da dick nun nicht mehr doof beziehungsweise das neue Schwarz war, erwarteten die üblichen Unker, dass die Deutschen endgültig verfetten und die Krankenkassen sprengen würden. Das Gegenteil war der Fall. Denn endlich konnten alle aufatmen, deren Leben sich nur noch ums Essen (oder Nichtessen) gedreht hatte: Sie aßen einfach, und gut! Die Kosten durch Dicke sanken, die Kosten durch kranke Dünne, die eigentlich dick geplant waren (von Gott oder dem Kosmos) ebenfalls. Das hatte die Politik doch gut gemacht, waren sich alle – bis auf die neidischen Dürren – einig.

Die Lebensmittelindustrie war auch nicht so happy. Sie hatte das Projekt zuerst unterstützt, da sie steigende Umsätze durch hemmungsloses Essen und ebensolchen Konsum erwartet hatte. Doch der Schuss ging nach hinten los. Die Deutschen, die nicht mehr ständig ans Essen dachten, aßen eher weniger als mehr und hatten nebenbei noch Zeit für vernünftige Sachen. Die Diätindustrie ging pleite, da Frauen von nun an auf die leeren Versprechungen von Wunderwucher und Co. pfiffen.

Leute, das Aufwachen war hart. (Nur ein verdammter Traum!) In der realen Welt fühlen sich Dicke wie Parias, und die paffenden Politiker (die selbst oft genug fett sind) wollen dünne Menschen, weil die – angeblich – die Krankenkassen weniger belasten. Ich träum weiter!

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Nachtrag: Die Gewinnerinnen des 1. TTSW stehen fest, die Namen der Autorinnen werden nun bekanntgegeben. Wer diesen Text geschrieben hat, steht links unter dem Artikel.

# | Andrea Groh am 11.11.10 | Druck
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Mittwoch, 10. November 2010

Kommentar-Gewinner Glosse #26

Der 26. Kommentar-Gewinner steht fest! Die DVD „Wordpress. Das umfassende Training“ von Frank Bültge hat gewonnen: Matthias Groh.

Unsere Glücksfee, Andrea Alvermann, hat per Zufallszahlengenerator Kommentar Nummer 8 ermittelt.

Kurzbeschreibung:

"Wenn es um elektronisches Publizieren im Internet geht, hat sich Wordpress mittlerweile als Alternative zu den Platzhirschen Joomla! und Typo3 etabliert. Und dies zu Recht, denn neben seiner Funktion als Weblog-Software eignet es sich ebenso zur Erstellung klassischer Webseiten wie auch als Plattform für multimediale Inhalte. In diesem Video-Training zeigt Ihnen Frank Bültge – einer der bekanntesten deutschen WordPress-Buchautoren - was mit WordPress alles möglich ist. Von der Installation bis hin zur Anpassung von Themes und der Erweiterung mit Hilfe von Plugins: Schneller und anschaulicher kommen Sie nirgends zu Ihrem eigenen Blog."

Den Preis stellt Texttreff-Mitglied Biggi Mestmäcker zur Verfügung. Vielen Dank dafür!

# | Sabine Schönberg am 10.11.10 | Druck
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Kommentar-Gewinnerin Glosse #25

Die 25. Kommentar-Gewinnerin steht fest! Das Buch "Adobe Photoshop CS5. Das Praxisbuch zum Lernen und Nachschlagen" von Sibylle Mühlke hat gewonnen:
Renate Hermanns!

Unsere Glücksfee, Andrea Alvermann, hat per Zufallszahlengenerator Kommentar Nummer 6 ermittelt.

Kurzbeschreibung:

" * Das bewährte Standardwerk in neuer Auflage
* Photoshop von A bis Z auf über 1100 Seiten in Farbe
* Mit Referenzkarte und Video-Lektionen
* Großer Infoteil mit Tastenkürzeln, Insidertipps u.v.m.

Dieses Buch bietet Ihnen geballtes Photoshop-Wissen! Unsere Autorin Sibylle Mühlke hat darin alles, was es zu Photoshop CS5 zu wissen gibt, praxisnah und leicht verständlich für Sie aufbereitet. Es eignet sich sowohl als Nachschlagewerk zu allen Werkzeugen, Funktionen und Arbeitsweisen als auch zum Erlernen der Software, denn alle wichtigen Themen werden anhand von Praxisbeispielen erklärt.

Das Besondere: Das Buch passt sich Ihren Bedürfnissen an. Arbeiten Sie es Seite für Seite durch für einen kompletten Einblick in die Software, nutzen Sie den ausführlichen Index bei Fragen zu einer speziellen Funktion, schlagen Sie im Glossar bei Verständnisproblemen nach oder legen Sie die DVD mit den Video-Lektionen ein, wenn Sie schwierige Werkzeuge von einem Trainer erklärt bekommen möchten.

Komplett in Farbe, mit DVD, Referenzkarte, Infoteil, Glossar und Zusatzinfos im Web – hier finden Sie als Einsteiger oder Fortgeschrittener immer genau das, was Sie gerade brauchen!"

Den Preis stellt Texttreff-Mitglied und Autorin Sibylle Mühlke zur Verfügung. Vielen Dank für das Buch!

# | Sabine Schönberg am 10.11.10 | Druck
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Glosse #27: Unter der Tarnkappe

Das ist der 27. Beitrag zum Texttreff-Glossenschreibwettbewerb. Die Glossen werden anonym eingestellt.

Beitrag zum Thema: Ich seh mich schon in zwanzig Jahren

Unter der Tarnkappe

In zwanzig Jahren bin ich Privatdetektivin. Meine Erfolgsquote wird sagenhaft sein. Niemals wird mich jemand entdecken. Ich muss mir keine Gedanken um meine Rente machen: Mein Alter hat goldenen Boden.

Schon immer wollte ich sehen, ohne gesehen zu werden. Ich habe mich sogar einmal in einer Detektei vorgestellt. Doch die lehnten mich auf den ersten Blick ab. Nicht mal als unbezahlte Praktikantin wollten sie mich haben. Dabei hatte ich drei Wochen geübt, lautlos auf Kreppsohlen zu gehen. „Schauen Sie sich doch an“, sagten sie. „Sie sind einfach nicht zu übersehen.“

Es stimmt: Ich falle auf. Warenhausdetektive folgen mir, mürrische Männer starren mich an, Babys brechen in Tränen aus, sobald ich in ihren Wagen schaue.

Resigniert studierte ich Soziologie. Wenn ich die Leute schon nicht beobachten darf, so kann ich sie wenigstens ausfragen. Aber dasselbe ist es nicht.

Ich hatte mich damit abgefunden, dass das Beschatten ein Hobby bleiben würde, als mich eine ältere Kollegin in die Weisheit des Alters einführte.

„Frauen ab sechzig sind unsichtbar“, sagte sie.

Ich sah die Kollegin klar und deutlich. Sie trug ein knallrotes Twinset, grüne Jeans und ihre Haare leuchteten orange. Dass sie über sechzig war, wusste ich genau.

„Ja, du siehst mich“, sagte sie. „Du bist eine Frau. Aber Männer bemerken mich nicht.“

„Das kann nicht sein …“

„Du meinst, weil sie mit mir zusammenarbeiten? Sie nehmen mich nur als Kollegin wahr. Ihre Mütter sehen sie natürlich auch. Doch auf der Straße schauen Männer durch mich hindurch. Ich muss ausweichen, wenn ich nicht angerempelt werden will.“

Diese Männer mussten farbenblind sein.

In den nächsten Tagen folgte ich älteren Frauen. Natürlich fiel ich ihnen auf, aber sobald sie merkten, dass ich offensichtlich harmlos war, zwinkerten sie mir zu und gingen weiter. Männer schenkten ihnen keinen Blick, obwohl die meisten dieser Frauen erheblich besser aussahen als ich. Es konnte nicht an ihrem Äußeren liegen. Sie hatten entdeckt, wie sie sich tarnen konnten. Seit Jahrzehnten arbeitete ich daran, mit dem Hintergrund zu verschmelzen, und sie konnten es einfach.

Alle befragten Frauen über sechzig haben mir bestätigt, dass sie für Männer unsichtbar seien. Sie tragen eine soziale Tarnkappe. Sie könnten sie abnehmen. Aber zumeist wollen sie das nicht und gehen unbehelligt durch Männertrauben.

Bei mir stelle ich bislang keinerlei Fortschritte fest. Zwar werde ich allmählich weitsichtig und meine Falten graben sich tiefer ein. Ich begrüße diese Veränderungen. Doch so genau ich mich im Spiegel auch betrachte, ich beginne nicht zu verblassen. Ich erwarte, dass es an den Konturen einsetzen wird, aber noch ist alles klar umrissen. Vielleicht werde ich selbst den Effekt gar nicht bemerken, schließlich bin ich eine Frau.

Noch lange Jahre, bis ich endlich sechzig werde. Meine zweite Karriere habe ich schon fest geplant. Ich werde eine selbständige Detektei führen, mit Schwerpunkt auf weiblicher Kundschaft im gehobenen Alter. Die wird ohne viele Worte wissen, wo meine Stärke liegt. Ich werde vor allem an Orten ermitteln, an denen es von älteren Männern wimmelt: in Führungsetagen, Aufsichtsräten, Sachverständigenrunden, kirchlichen Gremien. Herrensaunen schließe ich bislang aus ästhetischen Gründen aus. Bordelle werde ich wohl nicht umgehen können. Ich hoffe, dass die anwesenden Frauen für die gute Sache gerne beide Augen zudrücken.

Aus verständlichen Gründen erläutere ich diese Pläne vor allem älteren Frauen. Jüngere Frauen zweifeln an meinem Verstand. „Wieso“, sagen sie, „sollten all diese schönen, starken, bunten Frauen unsichtbar sein?“ Sie haben noch nicht verstanden, wie die Welt funktioniert.

Wenn ich einem Mann von meiner Altersplanung erzähle, schaut er mich verständnislos an. „Frauen über sechzig? Das soll ein Markt sein? Die gibt's doch kaum.“

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Nachtrag: Die Gewinnerinnen des 1. TTSW stehen fest, die Namen der Autorinnen werden nun bekanntgegeben. Wer diesen Text geschrieben hat, steht links unter dem Artikel.

# | Katarina Pollner am 10.11.10 | Druck
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Dienstag, 09. November 2010

Glosse #26: Ein Traum von einem Kunden! Oder träumt die Texterin?

Das ist der 26. Beitrag zum Texttreff-Glossenschreibwettbewerb. Die Glossen werden anonym eingestellt.

Beitrag zum Thema: Das Leben einer Selbstständigen schreibt die besten Anekdoten

Ein Traum von einem Kunden! Oder träumt die Texterin?

Xing-Nachricht vom 09.10.2010, 9.02 Uhr (unverändert, ungekürzt):

Guten Tag, liebe Frau S.,

ich spreche Sie als Text-Fachfrau an. Wir haben gerade unsere Homepage neu gestaltet. Mich würde Ihre fachliche sowie persönliche Meinung zu den Texten, besonders der Startseite, interessieren. Für Kritik und Anregungen haben wir ein offenes Ohr und Auge.
Auf Ihre Antwort freue ich mich und bedanke mich herzlich.

Mit sonnigen Grüßen
A. R. Schlecker

Guten Tag, liebe Frau S. – Was für eine nette Begrüßung zum Spätstück! Den Kaffeepott auf dem Schreibtisch zwischen Tastatur und Bildschirm, die volle Müslischüssel vor mir, starte ich, freie Texterin, in den Arbeitstag. Erst mal checken, was sich im Xing-Netzwerk getan hat. Neue Kontaktanfragen, Events, Nachrichten, darunter eine Mail mit vertraulichem „liebe Frau S.“. Absender: ein A. R. Schlecker einer mir unbekannten Firma Definite Appearance. Die Appearance von Herrn Schlecker auf dem Profilfoto ist schon mal nicht schlecht. Und, hey, xingt da ein neuer Kunde mit einem Auftrag?

Ich spreche Sie als Text-Fachfrau an. – Das kommt gut! Da hat einer mein Können erkannt. Mein Xing-Profil ist auch wirklich überzeugend.
Der Satz mit richtigem Bindestrich spricht aber auch für ihn, den Prospect. Ein A Kunde, das sieht man gleich, anspruchsvoll und qualitätsbewusst, mit verlässlichem Budget. Kein Billigheimer, der auf fragwürdigen Dienstleister-Portalen wie MyHammer oder Textbroker herumschleicht. Es gibt sie also noch, die Kunden, die wissen, dass Profi-Arbeit sich auszahlt. Im Sommer war ich noch voller Selbstzweifel, fast bereit, meine Preise zu halbieren, so groß war das Auftragsloch – groß wie der Erdkrater von Schmalkalden.

Wir haben gerade unsere Homepage neu gestaltet. – Ja, fein! Da liegt meine Kernkompetenz. Auf Enterprise 2.0, Web 3.0 und B2B 4.0 bin ich fokussiert (große Webauftritte, nicht „Homepages“!). Ich verhelfe im Premium-Segment Global Playern zu Benefits, ROI und Mehrwert: durch spezifische Expertise, mit Best Practices für die Compliance und mit zertifizierten Hard- und Softskills.

Mich würde Ihre fachliche sowie persönliche Meinung zu den Texten, besonders der Startseite, interessieren. Für Kritik und Anregungen haben wir ein offenes Ohr und Auge. – Das nenne ich Mut zu Ehrlichkeit und Selbstkritik. Ich erkenne: A. R. sieht nicht nur gut aus; er besitzt auch emotionale Intelligenz, vor allem aber Empfänglichkeit für – ins offene Auge oder Ohr kommunizierte – kritische und anregende Worte. Überraschend nur, dass A. R. mich nicht um ein Angebot bittet.

Mit sonnigen Grüßen: A. R. Schlecker – Herzlichkeit, Wärme und Optimismus, die die Psyche aufbauen! Gäbe es nur mehr solcher wohltuenden Kunden!

Direkte Kommunikation …

Ich antworte sofort. Da ich A. R. mein Kurzprofil – mit schönem Foto von mir – mitschicken will und Xing keine Nachrichtenanhänge erlaubt, muss ich eine direkte E Mail senden. Dazu muss ich Schleckers Mail-Adresse herausfinden – die hatte er ebenso vergessen anzugeben wie die URL der zu begutachtenden Website von Definite Appearance. Bingo, et voilà: arschlecker@da.mn! Ich formuliere mein Danke (für die Anfrage) und Interesse (an einer Zusammenarbeit), nenne meinen Stundensatz, biete an, ein Angebot zu erstellen, und schließe mit besten Grüßen nach Sachsen-Anhalt.

… lösungsorientiert

Nach vier Wochen noch keine Nachricht von A. R. Schlecker. Eventuell ein Problem im Xing-Programm? Oder habe ich A. R. ohne es zu wollen irritiert, gar vor den Kopf gestoßen? Auch die versierteste Texterin kann sich mal in der Wortwahl oder im Schreibton vergreifen. Vielleicht sollte ich das Gespräch suchen, um die Situation und einen möglichen Konflikt zu klären? Ja, das wird das Beste sein. Morgen rufe ich A. R. an. Hoffentlich stellt die Vorzimmertussi mich durch. Wahrscheinlich hat er eine Stimme zum Dahinschmelzen. – Meine Strategie: Als Entgegenkommen und um den Auftrag einzutüten, den Stundensatz um zwei Drittel reduzieren.

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Nachtrag: Die Gewinnerinnen des 1. TTSW stehen fest, die Namen der Autorinnen werden nun bekanntgegeben. Wer diesen Text geschrieben hat, steht links unter dem Artikel.

# | Heike-M. Schmidt am 09.11.10 | Druck
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Montag, 08. November 2010

Kommentar-Gewinnerin Glosse #24

Die 24. Kommentar-Gewinnerin steht fest! Den "Der Rechtsratgeber für Existenzgründer" von Eva Engelken hat gewonnen:
Anja Heppelmann!

Unsere Glücksfee, Andrea Alvermann, hat per Zufallszahlengenerator Kommentar Nummer 4 ermittelt.

Kurzbeschreibung:

"Juristische Fallstricke gibt es viele bei der Gründung eines Unternehmens. Wie schafft man den Schritt in die Selbstständigkeit ohne rechtliche Probleme? Was kann man selbst regeln und wann lässt man sich besser von einem Fachmann beraten? Eva Engelken behandelt die häufigsten juristischen Herausforderungen, die Existenzgründer zu meistern haben, und zeigt konkret, was jeweils zu tun ist. Ob es um die Anmeldung bei den Behörden geht, die optimale Rechtsform, notwendige Versicherungen oder um die juristisch abgesicherte Gründung mit Partnern - mit diesem Buch sind Existenzgründer auf der sicheren Seite."

Den Preis stellt Texttreff-Mitglied und Autorin Eva Engelken zur Verfügung. Vielen Dank für das Buch!

# | Sabine Schönberg am 08.11.10 | Druck
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Glosse #25: Neulich im Forum

Das ist der 25. Beitrag zum Texttreff-Glossenschreibwettbewerb. Die Glossen werden anonym eingestellt.

Beitrag zum Thema: Das Leben einer Selbstständigen schreibt die besten Anekdoten

Neulich im Forum

„Kann mir jemand sagen, wie das mit der Umsatzsteuer ist, wenn ich Belgien arbeite?“, fragte neulich im Forum ein Kollege.

Puh, schwierig. Ich legte meine Stirn in Falten, um die Hirntätigkeit anzuregen. Der Wechsel des Gesichtsausdrucks soll sich ja auf die inneren Organe auswirken, habe ich mal gelesen. Demnach erzeugt beispielsweise ein Lächeln gute Laune.

Ich faltete noch mein Gesicht, da kam schon die erste Antwort.

Der User schrieb: „Bin grad auf dem Sprung zum Termin! Aber interessante Frage!“

In meinem Gehirn war noch alles still. Vorsichtig neigte ich den Kopf nach rechts, um etwas Reibung zu erzeugen.

Da, die zweite Antwort: „Ich hab mal in Frankreich gearbeitet, da gibt es auch Umsatzsteuer“, schrieb die Userin. „Leider ist mir entfallen, wie das damals war. Ich kann aber gerne nochmal nachschauen. Nur ist es momentan leider etwas ungünstig, ich sitze an einem Angebotstext, der bis morgen raus muss.“

Ich neigte meinen Kopf nach links. Belgien, hm...

„Belgien kenn ich gut, da hab ich schonmal Urlaub gemacht. Zu dem Umsatzsteuerproblem könnte ich dir einen Buchtipp raussuchen. Soll ich? Diese Woche wird das allerdings nichts mehr, ich fliege gleich nach Basel“, schrieb einer.

Ich war lange nirgends mehr hingeflogen. Im Forum hagelte es jetzt Antworten.

„Hey, wie geht’s? Wann warst Du denn in Belgien? Zur Umsatzsteuer kann ich dir leider gar nichts sagen, davon hab ich keine Ahnung. Aber Mensch, das ist ja total schön, mal wieder was von Dir zu lesen! Gehe jetzt duschen.“

„Hallo, Du fragst genau das, was ich letztes Jahr auch klären musste. Ich schreibe zur Zeit ein Buch über die Spanischkenntnisse der Töchter von Züchtern mongolischer Rennmäuse und hab total wenig Zeit, aber das wird nächsten Monat fertig, und dann melde ich mich nochmal ganz ausführlich, ja? Bis dann!“

„Die Matheaufgaben von meinem Sohn liegen noch auf meinem Schreibtisch, außerdem muss ich den Geburtstagssprengsatz für meine Schwiegermutter basteln. Und mein Mann hat Hunger! Stress! Deshalb nur ein schneller Tipp: Frag doch mal jemanden, der sich auskennt!“

„Du, tut mir leid, bei mir ist grad Rauch auf dem Dachboden, die Kinder spielen da oben, gleich klingelt die Feuerwehr, muss aufmachen. Aber deine Frage ist spannend. Ich lass die rein und melde mich wieder, ja?“

Belgien – jetzt fiel es mir wieder ein, da hatte ich mal einen Workshop geleitet, und mit der Umsatzsteuer war es gar nicht so schwierig gewesen. Hey, das konnte ich erklären! Doch dann las ich die nächste Antwort:

„Belgien und Umsatzsteuer! Können wir für solche Themen bitte endlich ein Unterforum anlegen? Wann bitte soll ich denn hier die ganzen Fragen und Antworten lesen? Leute, ich kann es mir nicht leisten, mich den ganzen Tag durch so eine Postingflut durchzuwühlen. Ich muss arbeiten! Ich habe zu tun!“

Arbeiten! Zu tun haben! Keine Zeit! Da war ich ja gerade noch an der Totalblamage vorbeigeschrammt. Ich schämte mich in Grund und Boden ob meiner peinlichen Idee, die Umsatzsteuerfrage einfach zu beantworten, und loggte mich ganz schnell aus.

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Nachtrag: Die Gewinnerinnen des 1. TTSW stehen fest, die Namen der Autorinnen werden nun bekanntgegeben. Wer diesen Text geschrieben hat, steht links unter dem Artikel.

# | Gudrun Sonnenberg am 08.11.10 | Druck
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Sonntag, 07. November 2010

Kommentar-Gewinnerin Glosse #23

Die 23. Kommentar-Gewinnerin steht fest! Den Kalender "Künstler und ihre Katzen 2011" von Detlef Bluhm hat gewonnen: Tanja Finke-Schürmann.

Unsere Glücksfee, Andrea Alvermann, hat per Zufallszahlengenerator Kommentar Nummer 5 ermittelt.

Kurzbeschreibung:

"Unzählige Zitate belegen die starke Affinität von Schriftstellern zu Katzen. Dieser Kalender verbindet 26 Katzendarstellungen von Auguste Renoir und Felix Vallotton bis Paul Klee und Max Beckmann mit Zitaten von Doris Lessing, Rosa Luxemburg, Patricia Highsmith und anderen. Ein begleitender Text erklärt Zitat, Bild und Wissenswertes rund um die Katze – fast eine kleine Katzenkulturgeschichte."

Den Preis stellt Texttreff-Mitglied und Mitorganisatorin des TTSW Daniela Dreuth zur Verfügung. Vielen Dank für den schönen Kalender!

# | Sabine Schönberg am 07.11.10 | Druck
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