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Glosse #11: Print wirkt – wie ausgestorben ...

Das ist der 11. Beitrag zum Texttreff-Glossenschreibwettbewerb. Die Glossen werden anonym eingestellt.

Beitrag zum Thema: Ich seh mich schon in 20 Jahren

Print wirkt – wie ausgestorben ...

Die Zukunft der Medien – ein Thema, das wohl genauso rätselhaft bleibt wie die Tatsache, dass Dieter Bohlen einen Abschluss in BWL geschafft hat. Oder warum Gurke einfach nicht so lecker ist wie Chips oder Schokolade. Spulen wir kurz vor und werfen einen Blick in die Zukunft, ins Jahr 2031 ...

Fünf Jahre ist es her, dass die letzte Papierfabrik ihre Pforten schließen musste. Ein paar Bäume gibt es zwar überraschenderweise noch, aber GreenApple, dem Zusammenschluss von Greenpeace und Apple, ist es inzwischen gelungen, auch den letzten Baum unfällbar zu machen. Das riesige Angebot an Niedriglohn-Baumbesetzern – ein Job, zu dem auch viele arbeitslose Journalisten umgeschult wurden – haben es dem Weltkonzern ermöglicht, Print endlich den Todesstoß zu versetzen, indem sie einfach den Papier-Hahn zudrehen. Inzwischen sind Ipad, Ipod und Ipuma (Sportedition) in beinahe jedem Haushalt zu finden – lässt sich der Kauf nach dem Zusammenschluss mit Greenpeace doch als Spende steuerlich absetzen. Wer braucht da Bibel, "Bild" oder "Beef" auf totem Holz?

Dass es keine gedruckten Bücher mehr gibt, stört nur verschrobene Traditionalisten. Bücher – das ist ein völlig überholtes Konzept. Unhandlich, weder Lautsprecher noch komfortable Suchfunktion, keine einzige App verfügbar. Und dann die Verletzungsgefahr! Nachdem sich eine Amerikanerin an einer Buchseite der dreizehnten Biografie von Paris Hilton geschnitten hatte und den Weltverlag RandomSteinBornHouse auf 100 Billionen Dollar verklagt hatte, ging auch der letzte Druck-Riese pleite. Dies besiegelte das Schicksal der Bücher, das zuvor schon die Zeitungen ereilt hatte. Und zwar zu Recht: Geld für Informationen auszugeben, die man einen Tag zuvor bereits kostenlos per TV, Radio, Internet bekam – eine absurde Vorstellung!

Papier ist aus dem täglichen Leben inzwischen weitgehend verschwunden. Natürlich gab es Proteste, allerdings beschränkten die sich auf den Toilettenbereich, in dem die Menschheit nur schwer von liebgewonnenen Gewohnheiten lassen kann. Mit der Einführung des Lokus-Lotus-Lappens (Slogan: "Wischen, wedeln, waschen – wie neu!") wurde der Sturm der Entrüstung jedoch schnell zum lauen Lüftchen. Ein Promi mit Papiertaschentuch in der Hand ist inzwischen ein größerer Skandal als ein Star im bodenlangen Hermelin mit Blauwal-Handtasche. Nur die Fischhändler waren eine Zeitlang ratlos, worin sie jetzt ihre Ware einwickeln sollten. Dieses Problem wurde bald gelöst, denn kurz darauf starb die letzte Fischart aus.

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Nachtrag: Die Gewinnerinnen des 1. TTSW stehen fest, die Namen der Autorinnen werden nun bekanntgegeben. Wer diesen Text geschrieben hat, steht links unter dem Artikel.

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Unsere drei Hauptpreis-Sponsoren:

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Website Markhuset

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Website TeNo

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Website Billomat

# | Britta Janzen am 20.10.10 | Druck |  »Glossen

Kommentare



BOAH. Tolle Idee! Toll umgesetzt, mit etlichen sprachlichen Brillanzen. Mein bisheriger Favorit! Ganz großes Glossenkino!

Anmerkung: Falls Random.org mich auslost - bitte noch mal anschmeißen. Diesen tollen !! Krimi soll jemand anderes gewinnen. Ich hab ihn mir schon vor dem Sommerurlaub gekauft und leider schon gelesen. Leider deshalb, weil ich gerne noch mal frisch davor stünde. Spannend, kurzweilig und einfach ein lesenswertes Buch.

# | Biggi Mestmäcker am 20. Oktober 2010, 00:42

Die Idee, dass alles Papier den Weg alles Irdischen geht, ist sehr interessant. Wo doch so viele Menschen all ihre E-Mails immer noch ausdrucken, zum Archivieren! ;-) Und dass es nicht mal mehr Toilettenpapier geben soll, kann sich meinereins kaum vorstellen. Dann werden die Menschen auch all die Wortspiele nicht mehr verstehen: wisch und weg, mit einem wisch ist alles weg... ;-) Oder auch Sprüche wie "Papier ist geduldig". Wer wird dann geduldig sein?

# | Martina Freyer am 20. Oktober 2010, 00:48

Meine arme Nachbarin. Ich lese Glosse #11 des Nachts um 4 und fall’ von einem Lach- in den nächsten Schreikrampf. Wenn besagte Nachbarin alsbald aufgebracht vor der Tür steht und mit Polizeigewahrsam droht, muss ich wohl aus Freiheitsliebe eines dieser gebundenen Papierteile nehmen und sie damit vorsorglich zur schönen Leich hinstrecken.

# | Kerstin Funke am 20. Oktober 2010, 04:52

Klasse! Natürlich, alles nur Ballast. Morgen werf ich die ganzen Bücher weg. Der Staub darauf. Außerdem hat mir so eine Seite auch mal ein Auge lahm gelegt. Ich muss ja auch an meine Kinder denken. Bücher? Viel zu gefährlich!!!

# | Judith Burger am 20. Oktober 2010, 07:03

Die vielen phantasievollen Wortbilder in dieser Glosse begeistern mich - und der "Lokus-Lotus-Lappen" hat mich vor Lachen vom Hocker gerissen ;o))In meiner Phantasie erwuchs ein Bild vom Lotus-Perleffekt am Hintern ... einfach großartig. Besonders zu genießen wäre dieser Effekt übrigens auf japanischen Toiletten mit eingebauter Hinterndusche und Föhn. Ja, das gibts wirklich!

# | Christa Goede am 20. Oktober 2010, 08:39

Nach dieser genialen Glosse kann ich den Traum vom Ferienhaus in Dänemark wohl begraben ... :-) Gratulation! Dieser Beitrag ist von einer ganz Großen des Glossensports! Bin gespannt, wer sie ist.

# | Heike Abidi am 20. Oktober 2010, 08:50

Wischen, wedeln, waschen – wie klasse! Dieser Slogan könnte auch in einer Ankündigung für die Desperate Housewives auftauchen, oder in einer Anzeige für die neuesten Staubwedel erscheinen. ;-)

Ich mag Bücher und würde sie sehr vermissen! Zum Glück ist dies nur eine Glosse und (noch) nicht die Realität.

# | Annett Vogel am 20. Oktober 2010, 08:53

Lokus-Lotus-Lappen :-). Eine wirklich sehr schöne Glosse, auch wenn der Blick in die Zukunft doch auch ein wenig traurig ist.

# | Anika Abel am 20. Oktober 2010, 09:14

Ohohoho! Ich bin begeistert, aber mal echt. Das ist mal ein virtuoses Gedankenspiel und auch sprachlich hübsch pointiert. Bravo!

# | Tina Skulima am 20. Oktober 2010, 09:14

Tolle glosse! Wiewohl einem Angst & bange wird, wenn man das liest. Ohne Papier - kann ich mir nicht vorstellen. Ohne Fisch - noch weniger. Aber an 13. von P.H. glaub ich gerne...

# | Nessa Altura am 20. Oktober 2010, 09:39

Super! So viel Sprachwitz und Bissigkeit, nie zu viel geschwafelt, toll pointiert - reine Freude.

# | Heide Liebmann am 20. Oktober 2010, 10:13

Hallo Papierbuchbesitzer,

hier Leo A. aus dem Jahr 2031. Seit kurzem gibt es den zeitlich rückdatierter Kommentar, hoffentlich klappt das jetzt ohne diese Nebeneffekte. Wenn nicht, bitte löschen!

Mein Anliegen: Ich sammle Bücher aus Papier und bin an verschollenen Exemplaren interessiert. Mit Text, keine Retro-Fakes mit bunten Seiten, bitte!

Der dimensionsunabhängige Paketservice (DUPS) ist bereits im Betastadium, bis dahin müssten Sie die Papierbücher für mich aufheben. Interesse? Werde in Kürze meine Suchliste posten!

# | Leo Altgruftipunk am 20. Oktober 2010, 10:42

Erst schön den aktuellen Job fertigtinten, dann darfst du die neue Glosse lesen, habe ich mir heute früh befohlen. Hat sich gelohnt, das Warten: Die Neue ist auch _mein_ absoluter Favorit - spitzenwitzigbrillant - Chapeau!

# | Susanne Nötscher am 20. Oktober 2010, 11:14

Zum Schreien! Die anderen Glossen waren ja schon genial, aber diese toppt bisher alles. Und jetzt werde ich sofort sterben vor Neugier, aus wessen Feder dieses Stück Lach-und-Sachtext geflossen ist. Herrjeh.

# | Lilian Kura am 20. Oktober 2010, 11:53

Ich sehe die letzte Schlagzeile der letzten BILD-Ausgabe vor mir:
Bibliophiler von Bibliothek erschlagen

Klasse Glosse!

# | Claudia Troßmann am 20. Oktober 2010, 12:20

uhuhu... endklasse! Hier hat es mich endgültig vom Hocker gerissen: "Geld für Informationen auszugeben, die man einen Tag zuvor bereits kostenlos per TV, Radio, Internet bekam – eine absurde Vorstellung!" *gnihihi* (muss wohl das aktuelle Tageszeitngsabo nochmal überdenken)

# | Claudia Schramm am 20. Oktober 2010, 12:24

Kriegt dreimal "ja" von und kommt ins Finale. Den Krimi habe ich schon, verschenke ihn aber gerne weiter, sollte ich gewinnen.

# | Eva Engelken am 20. Oktober 2010, 12:24

Krieg' das Grinsen gerade nicht aus dem Gesicht ;-)
Tolle Idee, tolle Punkte ... ernsthaftes Problem spassig diskutieren und som zum Weiterdenken animieren. Klassse.

# | Finn Lehmann am 20. Oktober 2010, 13:01

Das ist keine Glosse, das ist Industriespionage! Woher weiß die Autorin von Greenapple? Der Zusammenschluss ist doch gerade erst unter höchster Geheimhaltung beschlossen worden. Erste Maßnahme: Bücher werden zu Pellets gepresst, um vom Gas aus dem Osten unabhängig zu werden.
Im Ernst: großartige Idee :-))

# | Gudrun Lerchbaum am 20. Oktober 2010, 14:59

Liest eigentlich Herr Marstenstein mit? Harald?! Sag doch mal was ... Achso, er ist sprachlos. Ich verstehe!

# | Silke Jäger am 20. Oktober 2010, 17:29

Also vor dem Lokus-Lotus-Lappen graut mir jetzt schon! Ich werde wohl demnächst jedes Blatt Toilettenpapier dreimal umdrehen ...

# | Nina Hundhausen am 20. Oktober 2010, 17:49

Also, solche Klos gibt es schon in Japan!
Aber Bücher würden mir fehlen, ihr Duft und einfach sie zu berühren, obwohl ein maerikanischer Freund mir neulich ganz begeistert sein E-Book zeigte. Es kann eine ganze Bibliothek beherrbergen und was macht es dann, wenn frau ein Buch für wenig Geld erwirbt und es nichts taugt. Trotzdem, ich hoffe, dass Bücher nicht ganz verloren gehen.
Übrigens schade, dass der Wettbewerb schon aus ist. Ich hätte gerne noch bis Ende Oktober weiter gelesen.

# | Eva Maria Nielsen am 20. Oktober 2010, 20:06

wow, was für eine Bilderbuch-Glosse. Huh, eine Bilder-B-u-c-h-Glosse? Das darf man ja bald nur noch hinter vorgehaltener Hand und im Dunkeln so nennen. Mein Favorit unter den Glossen bisher! Toll.

# | Snezana Galijas am 20. Oktober 2010, 20:26

Liebe Eva Maria, wie kommst Du darauf, dass der Wettbewerb schon vorbei ist? Es wurden etliche weitere Glossen eingereicht, die nach und nach veröffentlicht werden. Und es ist ja noch nicht mal Einsendeschluss. Du darfst also noch eine ganze Weile neue Texte lesen! :-)
(PS: Mich bitte bei der Verlosung ignorieren!)

# | Daniela Dreuth am 20. Oktober 2010, 20:45

Auf solche Ideen muss man erstmal kommen. Super gelungen!

# | Sabine Schönberg am 20. Oktober 2010, 20:49

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