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(Literatur) schreiben und davon leben können - mit oder ohne „Brotjob“?

Maria Al-Mana: Wer „vom Schreiben leben“ googelt, bekommt eine Menge „Erfolgsstrategien“ angeboten, manchmal sogar mit „Erfolgsgarantie“.

Selbstverständlich ist das alles andere als seriös. Dass so etwas überhaupt möglich ist, hat aber auch damit zu tun, dass hinter der Vorstellung vom „Schreiben“ so viele Mythen, Missverständnisse und falsche Hoffnungen stecken. Da ist exaktes Nachfragen der einzige Weg, um Abhilfe zu schaffen. Wieder und wieder.

Anlässe dafür gibt es genügend. Im Moment beispielweise das Buch „Brotjobs & Literatur“, erschienen im Verbrecher Verlag, herausgegeben von Iuditha Balint, Julia Dathe, Kathrin Schadt und Christoph Wenzel Das Buch hat eine verhältnismäßig große Resonanz. Woran liegt das? Das versuchen wir zu klären. Dieser Text ist keine Buchrezension. Aber die wichtigsten Themen und Fragen, die das Buch in den Fokus rückt, sollen hier durchaus zur Sprache kommen:

1. Warum interessieren sich so viele Menschen für die Option, Autor:in zu werden?

Es geht um Hoffnungen. Und um schier unerfüllbare Wünsche. Vor allem Menschen in Festanstellung träumen davon, frei(er) und unabhängiger arbeiten zu dürfen. Nicht wenige der rasant zunehmenden Fälle psychischer Erkrankungen gehen auf das Missverhältnis zurück, das oft in Hierarchien, der Weisungsgebundenheit und den nicht selten toxischen Arbeits-Beziehungen seine Wurzeln hat.

Doch geht es Soloselbstständigen, Freien besser? Viele davon arbeiten mit und in Kultur. Und auch sie brauchen Kund:innen, alles steht und fällt mit dem Verhältnis zwischen den Menschen, die Aufträge erteilen und jenen, die sie ausführen. Selbstständige können und müssen manchmal auch „nein“ sagen – wenn sie sich das finanziell leisten können. Ist das wirklich Freiheit?

Jobs, in denen sich (vielleicht) selbstständiger arbeiten lässt, finden sich oft im Kulturbereich, gern mit kreativer Arbeit. Doch nicht jeder Mensch kann Musik machen oder hat Talent für die Bildende Kunst. Beim Schreiben dagegen sieht es anders aus. Viele vermuten: „Doch, ja! Schreiben kann ich!“ Natürlich spricht gar nichts gegen den Wunsch, Buchautor:in zu werden. Aber bitte nur mit professioneller Unterstützung! Mindestens durch Lektor:innen und Verlage, vielleicht auch durch Ghostwriter:innen, als Selfpublisher mit Hilfe professioneller Grafiker:innen. Das alles kostet Zeit und Geld.

Wo kommen die her? Die Zeit müssen sich so gut wie alle (angehenden) Autor:innen mehr oder weniger gewaltsam freimachen: an Wochenenden, mitten in der Nacht, frühmorgens, an Urlaubstagen … Das Geld kommt in der Regel über den „Brotjob“ herein, der sichert die Existenz als freie Autorin, als angehender Autor. Und genau hier setzt das genannte Buch an: Die Herausgeber:innen haben festgestellt, wie „schambehaftet“ es für die meisten Autor:innen ist, über Geld zu sprechen. Und so hält sich der Mythos, als Autor:in sei man viel freier, natürlich hartnäckig. Und zwar schon sehr, sehr lang. Davon erzählen fast alle 19 Beiträge des Buchs.

Freiheit bedeutet eine Existenz als professionell literarisch schreibender Mensch also keineswegs. Die Abhängigkeiten sind einfach nur anders. Und ziemlich schambehaftet. „Man“ redet nicht über das tatsächliche Einkommen. Nicht über diese „Brotjobs“, die oft extrem weit von hehren Literatur-Gedanken entfernt sind - als Staplerfahrer oder Briefsortiererin, in Putzkolonnen, in Stahlwerken oder an diversen Fließbändern.

Gar keine Frage: Das ist hart. Extrem hart. Das wird nach der Lektüre dieses Buchs völlig klar. Warum träumen trotzdem so viele Menschen davon, Buchautor:in zu werden?

Die Antwort kann eigentlich nur sein: Es ist ein sehr romantischer Mythos, dass Buchautor:innen selbstbestimmt leben und arbeiten könnten. Dass sie frei sind. Frei von fremden Weisungen, Einflüssen und Vorgaben. Die Realität sieht ganz anders aus, wie schon unzählige Autor:innen bekräftigt haben. Als Autor:in begibt man sich ebenfalls unter ein Joch – muss dabei nur meistens die Regeln, zeitliche Frequenzen und Output-Mengen auch noch selbst festlegen. Und liefern. Weitere Regeln und Vorgaben kommen beispielsweise von Verlagen, Leser:innen oder konkurrierenden Buchtiteln.

Das alles war immer schon so. Wer das verstanden hat, findet vielleicht doch noch einen Ansporn im Mythos des „freien Autors“, der freien Autorin … Es ist ganz einfach schön, dass wir uns den Glauben daran bewahrt haben, dass das Leben als schreibender Mensch ein Abenteuer sein könnte. Und manchmal ist es das ja wirklich. Oder dass wir ein Gefühl von Freiheit und Selbstbestimmung haben, wenn wir uns unserem Buchprojekt zuwenden dürfen. Ja! Das ist so. Nur: Ohne „Brotjob“ geht es in der Regel eben nicht.

2. Gab es jemals eine Zeit, in der eine nennenswert große Zahl Menschen vom Schreiben leben konnte?

Schon Herr von Goethe nahm 1773 einen Sack Geld in die Hand, ging damit in eine Druckerei und ließ seinen „Götz von Berlichingen“ auf eigene Kosten drucken. Das Geld dafür hatte der studierte Jurist und spätere Geheimrat in der Tasche. Das ist übrigens auch der Grund, warum seit kurzem Goethes Geburtstag, der 28. August, als „Tag der Selfpublisher“ gilt. Sein „Brotjob“ sicherte also von Anfang an sein Leben als Autor.

Später versuchte er, beides nebeneinander laufen zu lassen. Und das war ein Spagat, dem er immer wieder zu entkommen versuchte, wie viele autobiografische Einträge beweisen. Doch: Eine Entscheidung gab es selbst für ihn nicht. Das war ein ständiges Dilemma – selbst für jemanden, der sich später nur allzu gern „Dichterfürst“ nennen ließ. Man kann also sagen: Selbst ein Johann Wolfgang von Goethe wagte es nicht, allein von seinen Einnahmen als „Dichter“ zu leben. Was natürlich Jammern auf sehr hohem Niveau war. Von vielen seiner Zeitgenossen ist bekannt, dass sie, wenn sie sich ausschließlich als „Literaten“ definierten, immer wieder auf finanzielle Zuwendungen angewiesen waren. Das wurde dann gern vornehm verbrämt „mäzenatische Unterstützung“ genannt. Obwohl viele von ihnen ganz andere, viel „einträglichere“ Berufe gelernt hatten.

Noch in späteren Zeiten gibt es immer wieder Fälle, in denen „Dichter:innen“ selbst so existenziell wichtige Dinge wie eine dringend notwendige Operation nur mit der finanziellen Zuwendung von Freunden und/oder Familie bezahlen konnten. Die Entscheidung, als Autor:in zu (über-)leben, barg also immer schon ein großes, finanzielles Risiko. Daran hat sich bis heute nichts geändert.

Um die Frage aus der Kapitelüberschrift zu beantworten: Nein, dem Gros der Autor:innen ging es zu allen Zeiten finanziell nie sonderlich gut. Es waren immer nur sehr wenige, die halbwegs gut verdienten. Und selbst die haderten oft mit ihrer Stellung zwischen „Dichtertum“ und Brotjob. Siehe Goethe.

Im Buch kommt auch immer wieder das soziale Gefälle zwischen „erfolgreichen“ und weniger erfolgreichen Autor:innen zur Sprache. Ein Autor spricht vom fehlenden „Stallgeruch“, andere bringen sehr explizit ihre Herkunftsgeschichte zur Sprache. Doch auch hier gilt: Wer sich ansieht, wie viele „studierte Menschen“ es unter den Erfolgsautor:innen immer schon gab, weiß: Nein, auch das ist nichts Neues.

3. Was verdienen Autor:innen? Wirklich?

Da möchte ich mich gern an Anette Huesemann wenden: Auch sie ist hier im Texttreff vertreten. Sie ist die Schreibtrainerin und hat bereits 2019 damit begonnen, die explizite Frage zu stellen - und zu beantworten: "Was verdient man mit einem Buch?" Das Thema hat sie kürzlich noch mal neu überarbeitet und um aktuelle Zahlen ergänzt. Dabei hat sie einen Stundenlohn von 6 Euro brutto für Buchautor:innen berechnet. Das ist absolut kein Stundenlohn, auf den sich Selbstständige einlassen könnten. Denn die müssen ja alles aus eigener Tasche bezahlen: Versicherungen, Büro-Miete, Krankenkassen-, Renten- und andere Beiträge. Da muss ein realistischer Stundenlohn ein Zehn- bis Mehrfaches von 6 Euro betragen. Sonst – eben: Ein „Brotjob“ muss her!

Die – sehr gut erklärte – Grundlage von Husemanns Berechnung ist außerdem, dass ein Verlag das Buch in sein Programm nimmt. Und es dann zu einem "Beinahe-Besteller mit 10.000 verkauften Exemplaren" macht. Dafür braucht es etwa 1.200 Stunden Arbeitszeit, hat Husemann berechnet. 1.200 Stunden Arbeitszeit?! Wie, wann und wo soll das jemand leisten, der oder die einen Großteil seiner Zeit mit einem Brotjob verbringen muss?

Und was ist mit Selfpublishing? „Die Honorare für E-Books liegen oft zwischen 20 bis 30 % vom Nettoerlös“, schreibt Husemann. Zur Einschätzung: Der Nettoerlös entspricht dem Ladenpreis minus 7 Prozent Mehrwertsteuer minus alles andere, etwa Rabatte, Nachlässe oder Gutschriften. Klingt trotzdem noch relativ gut, oder? Doch es hat sich inzwischen eingebürgert, dass der Preis für ein E-Book kaum mehr als 4 Euro betragen sollte, besser noch weniger. Und wir wissen: Auch Selfpublisher müssen ALLES aus eigener Tasche zahlen – von Lektorat über Grafik bis zum oft richtig großen „Paket Buchmarketing“. Wenn das auch nicht zwingend mit Geld bezahlt werden muss, so doch immer mit Zeit. Sehr viel Zeit.

4. Warum besteht – vor allem im Bereich der Literatur – eine so große Scheu, überhaupt über Geld zu sprechen? Und: Was bewirkt das?

    Nehmen wir die letzte Frage mal vorweg: Es bewirkt ganz sicher, dass sich der Mythos weiterhin hartnäckig hält, dass es möglich, vielleicht sogar wahrscheinlich sei, als Buchautor:in nennenswert viel Geld zu verdienen. Mit einer entsprechenden – meist unglaublich hoch bezahlten - „Erfolgsstrategie“ – garantiert! Und/oder mit teuren, selten zielgerichteten Lerneinheiten. Dies ist auch das Geschäftsfeld, auf dem sich beispielsweise Verlage tummeln, die gar keine richtigen Verlage sind – sogenannte Zuschussverlage. Da wird abkassiert, bevor angehende Autor:innen auch nur ein annähernd professionell gestaltetes Buch in der Hand halten. Aber es gibt auch noch Buchstrategen, Buchgurus, Buchcoaches … Sie alle versprechen meistens viel mehr als realistischerweise möglich ist. Sie alle leben von der hartnäckigen Hoffnung, dass es möglich sein könnte, mit dem Schreiben von Büchern richtig viel Geld zu verdienen.

    Warum ist das so falsch? Nun, da gibt es – über alle Jahrhunderte hinweg – durchaus verlässliche, sehr ernüchternde Zahlen. Huesemann zitiert in ihrem Beitrag Mario Andreotti aus: Die Struktur der modernen Literatur. 5. Auflage, UTB 2014, S. 115: „Nur rund 2 % aller Autorinnen und Autoren in Deutschland können vom Verkauf ihrer Bücher leben.“ Sie ergänzt: „Stetig schreibende Autor*innen haben oft mehrere Bücher am Laufen. Mehr als ein Buch pro Jahr schaffen die wenigsten. Also braucht man schon zehn einigermaßen gut laufende Bücher in zehn Jahren, um auf ein Honorar von 50.000 € zu kommen. Das wiederum verteilt sich auf mehrere Jahre – also immer noch nicht genug, um davon leben zu können“.

    Es scheint klar: Wer allein vom Schreiben leben will, kann erst einmal nur von der Hoffnung auf etwas leben, was sich vermutlich nie erfüllen wird.

    Den Autorinnen und Autoren von „Brotjobs und Literatur“ ist das ziemlich klar – immerhin bekennen sie sich ja alle ganz öffentlich dazu, einem Brotjob nachzugehen. Und doch: Eine seltsame Scham begleitet viele, die sich da zu Wort gemeldet haben. Warum?

    „Als Schriftstellerin leben zu wollen, scheint ein unverschämter Wunsch zu sein. Ich fühle mich schamlos, wenn ich mich zu meinem Beruf äußere und erst einmal erklären muss, wie viel ich verdiene, um mich so nennen zu dürfen", schreibt beispielsweise Isabelle Lehn. Sie hat gelernt, diese Scham zu überwinden. Aus purer Notwendigkeit, denn auch eine Autorin muss ja mit Einkünften kalkulieren können, kalkulieren dürfen. Eine weitere Erklärung liefert Sabine Scho: Auch "wir zahlen Steuern und die alleinige Tatsache, dass wir tun, was uns Spaß macht, drückt uns unter jeden Mindestlohn."

    5. Um welche Art Textarbeit geht es? Oder: Wo beginnt, wo endet Literatur?

      Mit dieser Frage spitzt sich die Sache ein weiteres Mal zu. Denn es gibt ja Menschen, die durchaus gut vom Schreiben leben können. Angestellt oder als Soloselbstständige. Beispiele für solche Berufsbilder liefern wir hier ja einige. Bei einer Werbetexterin etwa stellt sich die Frage nach dem halbwegs existenzsichernden Stundenlohn nicht so bedrohlich wie etwa bei einer Lyrikerin. Im Bereich des Werbetextes gibt es unter anderem recht aktive Berufsverbände. Und das Selbstbewusstsein der meisten Soloselbstständigen in diesem und vergleichbaren Bereichen ist (hoffentlich) hoch genug, um selbst für einen angemessenen Stundensatz zu sorgen. Außerdem ist die gesellschaftliche Akzeptanz gegenüber Werbetexten wesentlich höher als für Lyrik – und zwar in der Praxis. Theoretisch lieben viele Menschen Lyrik. Doch es wird nicht eben viel Geld dafür ausgegeben. Und: Bei Werbetexten wird selten unterstellt, dass es sich um etwas handeln könnte, bei dessen Schreiben jemand „Spaß“ gehabt haben könnte. Ganz ähnlich ist das beim Schreiben von Journalistischem, Wissenschaftlichem oder pädagogisch Verwertbarem.

      Manche Autor:innen von Beiträgen in „Brotjobs & Literatur“ sehen das Schreiben von nicht-literarischen Texten als ihren Brotjob. Und trennen das sehr strikt von allem Literarischen. Was steckt eigentlich dahinter? Ist das nicht vielleicht ein bisschen überholt? Es gibt den journalistischen Text, der nicht nur informiert, sondern selbst schon literarische Anklänge hat. Es gibt fast poetisch geschriebene Sachbücher zu rein wissenschaftlichen Themen. Es gibt Seminarunterlagen, die – beispielsweise wie ein Essay – durchaus literarische Qualität haben können.

      Die Grenzen zwischen Literatur und „Gebrauchstext“ aller Art haben sich schon seit langem so verschoben, dass es schwierig wird, „reine Literatur“ allzu strikt gegen andere Text-Arten abzugrenzen. Und doch hat das Buch „Literatur & Brotjobs“ eine hohe Sprengkraft, ist eine wichtige, äußerst relevante Stimme – zugunsten von Autor:innen und deren Verdienstmöglichkeiten, Literatur hin oder her.


      Fazit


      Dass Autor:innen von Literatur noch immer viel zu oft unter extrem schlechten Bedingungen leben und arbeiten müssen, ist nicht hinnehmbar. Darum ist es höchste Zeit, laut und deutlich über Verdienstmöglichkeiten zu reden! Es gibt absolut keinen Grund, sich zu schämen, weil jemand „Brotjobs“ annehmen muss, um Literatur produzieren zu können.

      Dazu kommt ein weiterer Aspekt, der bislang noch gar nicht zur Sprache kam: Es gibt viele Branchen und Menschen, die ganz und gar nicht schlecht von dem leben, was Autor:innen so an Literatur produziert haben. Die allbekannte „Schelte“ von Buchverlagen und Buchhandel ist dabei vielleicht noch das Harmloseste. Warum spricht eigentlich so selten jemand von der TV- oder Film-Industrie und deren Gewinnen? Ohne (literarische) Texte sähe es da ziemlich düster aus. Und die Verdienstmöglichkeiten sind in diesen Branchen deutlich besser als das Leben als freie Autor:in, wie nicht zuletzt der „Fall“ Anika Decker kürzlich klargemacht hat.

      Der Texttreff stand übrigens immer schon dafür, mit Selbstbewusstsein und Qualität jede Art von versuchtem Preisdumping zu unterbinden. Jeder Text verdient eine angemessene Bezahlung – auch der literarische Text. Und zwar jenseits aller romantischen Vorstellung von den freien, selbstbestimmten Autor:innen, die vielleicht noch im Schlaf reich werden. Die gibt es nicht. Wohl aber das Recht auf faire, angemessene Bezahlung jeder Art von Textarbeit.

      Über die Autorin


      Maria Al-Mana

      Maria Al-Mana, Magistra Artium der Germanistik, Geschichte und Philosophie. Journalistin mit jahrelanger Erfahrung in PR und als Redakteurin für Print und online. Schwerpunkte: Bücher und Online-Redaktion.

      3 Kommentare

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      Dorothea Steinbacher

      07.09.2022 um 10:38 Uhr

      Vielen Dank für diesen hervorragenden, gut recherchierten Text, der die Situation auf den Punkt bringt!

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      Christina Eretier

      08.09.2022 um 13:46 Uhr

      Liebe Maria, Danke für Deine Ausführungen!
      Ich schließe mich dem Eindruck an, dass man allgemein annimmt, Berufe im kulturellen Bereich seien “Spaßberufe” und von daher per se schon einmal weniger angemessen zu bezahlen, weil man ja sogar Freude und/oder Befriedigung daraus bezieht! Das müsste ja schon Lohn genug sein! Aber die Gesetze des Marktes gelten überall und finanzielle Unabhängigkeit und Förderung ist in jedem Bereich ein Segen. Das deutsche Arbeitsethos hält gerne am Joch fest, so muss “richtige” Arbeit mindestens unbequem oder unangenehm sein, das rechtfertig auch eine hohe Bezahlung, die damit zum Ausgleich für unangenehme und vergebene Lebenszeit wird. Das sagt viel über unsere Haltung zum Leben und Arbeiten aus und unser Verhältnis zur Kultur. Es ist zu befürchten, dass die Kultur auch das erste ist, was in der Not geopfert wird. Zur Zeit gibt es noch eine vergleichsweise breite Förder-Landschaft, hoffen wir, dass uns das noch lange erhalten bleibt.
      In diesem Sinne schreiben wir einfach weiter ...,
      alles Gute von Christina

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      Dagmar Kittelmann

      15.09.2022 um 08:52 Uhr

      Guten Morgen, Maria, der Artikel ist wirklich genial (geschrieben). Und vieles davon trifft auch auf uns Übersetzer*innen zu. Freiberufler*in zu sein hat jede Menge Vorteile. Aber auch Nachteile. Die meisten meiner Bekannten/Freunde in Festanstellung möchten nicht mit mir tauschen. Ich allerdings auch nicht mit ihnen. Liebe Grüße aus dem Norden und vielen Dank, Dagmar

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