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Berufsbilder Texter:innen von Werbetext, PR und Webtext - Botschaften mit Ziel und Wirkung

Texter:innen konzipieren, beraten und schreiben einerseits für ihre Kundschaft, andererseits – oder besser: eigentlich – für deren Zielgruppen und dafür, dass die Botschaft ankommt und wirkt.

Dabei sind Werbetexte image- und verkaufsfördernd, Webtexte kurz und strukturiert, PR-Texte strategisch und informativ.

Auch wenn Seifenopern ein anderes Klischee verbreiten: Weit wichtiger als die Fähigkeit, einen ordentlichen Stiefel Schampus vertragen zu können, sind bei Texterinnen ganz nüchterne Qualitäten. Beispielsweise geistige Beweglichkeit, stilistische Flexibilität, Kreativität auch unter Zeitdruck, konzeptionelle Denke und lebenslängliche Neugier, um nur einige zu nennen.

Werbetexter:in

Berufsprofil Werbetexter: Zum Lesen verführen

Bücher und Zeitschriften werden mit der Absicht gekauft, sie zu lesen. Seite für Seite, Satz für Satz. Ganz anders sieht es bei Werbebriefen, Imagebroschüren oder Anzeigen aus: Die meisten Lesenden haben fest vor, diese Texte zu ignorieren.

Deshalb kann es sich kein:e Werbetexter:in leisten, leseunfreundlich, verschachtelt, kompliziert oder gar unverständlich zu formulieren. Werbetexte buhlen um Aufmerksamkeit – indem sie angenehm zu lesen sind, Kompliziertes einfach auf den Punkt bringen, Vorteile klar herausstellen und weder für das eigene Ego noch für den Vorstandsvorsitzenden, sondern für den Leser geschrieben sind. Deshalb machen gute Werbetexte im Idealfall sogar Spaß.

So zu schreiben kann man – das nötige Talent vorausgesetzt – in einigen Privatschulen lernen. Die meisten Werbetexterinnen sind jedoch Quereinsteiger. Sie arbeiten entweder als Festangestellte oder als Freelancer:innen für Agenturen oder Unternehmen.

Übrigens haben einst sogar Berthold Brecht, Erich Kästner und Rainer Maria Rilke Werbetexte verfasst.

Investor-Relations-Texter:in

Berufsprofil Investor-Relations-Texter: Spannung und Image statt trockene Zahlen

Während Werbetexter:innen oft für unterschiedlichste Branchen arbeiten, konzentrieren sich Investor-Relations-Texterinnen und -texter ganz bewusst auf Wirtschaftsthemen:

Für Unternehmen oder IR-Agenturen texten bzw. redigieren sie Geschäfts- und Lageberichte, Exposés für Börsengänge und Börsenprospekte, Aktionärsbriefe und Pressemeldungen sowie Reden für Hauptversammlungen und Bilanzpressekonferenzen.

Ein Background im Wirtschaftsjournalismus kann ebenso die Basis für diesen Beruf bilden wie ein wirtschaftswissenschaftliches Studium. Entscheidender als eine bestimmte Ausbildung ist wirtschaftliches Know-how, Interesse an ökonomischen Zusammenhängen und die Fähigkeit, Inhalte so aufzubereiten, dass aus trockenen Fakten spannende Imagetexte werden.

Als ein Signal für Kompetenz gilt der Titel CIRO – die Qualifikation als „Certified Investor Relation Officer“.

Corporate-Publishing-Autor:in

Berufsprofil Corporate-Publishing-Autor: Texte für Unternehmenspublikationen

Corporate-Publishing-Autoren müssen das journalistische Handwerk ebenso beherrschen wie das kundenorientierte Arbeiten eines PR-Texters. Das kann die unterschiedlichsten Textsorten und Medien betreffen: von Mitarbeiterzeitung, Kundenzeitschrift und Newsletter über Internet und Intranet bis hin zu Artikel-Ghostwriting oder Imagetext im Geschäftsbericht.

Die Arbeit der Corporate-Publishing-Autorinnen beginnt oft schon bei Themenvorschlägen und Recherche – sie endet mit der letzten Abstimmungsschleife vor der Produktion.

Was genau die Mitarbeitenden, die Kundschaft, die Aktionäre oder die Öffentlichkeit über Interna erfahren sollen, definiert das Unternehmen. Kernaufgabe von Corporate-Publishing-Autor:innen ist es, diese Informationen im journalistischen Stil so für die jeweilige Zielgruppe aufzubereiten, wie es im Sinne des Auftrags entspricht.

Sie sind Redakteurin, Autorin, Journalistin, Texterin oder Übersetzerin oder haben einen anderen textbasierten Beruf? Ob Anfängerin, Quereinsteigerin oder erfahrene Profi: Die wortstarken Frauen aller Textberufe sind im Texttreff herzlich willkommen - hier geht's zur Anmeldung.

Webtexter:in

Berufsprofil Webtexter: W-W-Werbetexte mit Keywords und Links

Wer Werbetexte, die für Printmedien entwickelt wurden, einfach eins zu eins im Web verwendet, verschenkt die Vorteile des Mediums. Im Internet will man sich schnell und unkompliziert informieren. Deshalb müssen Webtexte kurz und prägnant sein, außerdem klar strukturiert und logisch aufgebaut, suchmaschinenoptimiert und im Idealfall auch barrierefrei.

Während Werbetexterinnen alles tun, damit ihr Text gerne gelesen wird, setzen Webtexterinnen noch einen Schritt früher ein – und sorgen dafür, dass ihr Text auch noch gut gefunden wird. Interne sowie externe Verlinkungen, eine nutzerorientierte Navigation und die optimale Verwendung von Keywords spielen dabei eine ebenso große Rolle wie die eigentliche Werbebotschaft.

Content-Manager:in

Berufsprofil Content-Manager: Allround-Projektmanagement von Redaktion bis Technik

Content-Manager:inne sind für die Internetseiten eines Unternehmens, eines Verbandes oder einer Institution verantwortlich – und das sowohl in redaktioneller als auch in technischer Hinsicht: Sie recherchieren, konzipieren und strukturieren, sie texten, redigieren und aktualisieren, sie planen, koordinieren und programmieren. Dabei arbeiten sie nicht nur eng mit allen involvierten Unternehmensbereichen zusammen, sondern auch mit externen Autor:innen.

Ob Festlegung der Content-Strategie, kontinuierliche Weiterentwicklung eines Content-Management-Systems, Qualitätssicherung des Inhalts oder Wartung der Software – das Spektrum dieses Berufes geht weit über das eigentliche Schreiben hinaus. Grundkenntnisse des Programmierens sind für Online-Manager ebenso wichtig wie solides Know-how in PR und Werbung.

Basis kann daher sowohl ein technisches Studium oder eine journalistische Ausbildung sein. Optimale Ergänzung ist ein Aufbaustudium „Web-Journalismus und Content-Management“, wie es beispielsweise in Leipzig angeboten wird.

Online-Journalist:in

Berufsprofil Online-Journalist: Multimediale Minimalisten

Online-Journalist:innen arbeiten oft multimedial. Ihr Aufgabenspektrum reicht von der Recherche über das eigentliche Schreiben bis hin zur zusätzlichen Entwicklung von Audio- und Videostreams. Deshalb ist neben Sprachaffinität auch technisches und bildästhetisches Verständnis gefragt.

Noch stärker als ihre Kolleginnen in anderen Medien müssen Online-Journalistinnen die Kunst des Minimalismus beherrschen. Denn Online-Texte funktionieren nicht nur anders als Texte für Printprodukte, sie sind meist auch deutlich kürzer – und zwar unabhängig davon, ob sie für Online-Redaktionen und –Portale, Unternehmen, Verbände oder Behörden getextet wurden.

Presse- und Öffentlichkeitsarbeiter:innen

Berufsprofil PR - Presse- und Öffentlichkeitsarbeiter: Informations-Schnittstelle für Image

In Unternehmen, Agenturen, Verbänden oder öffentlichen Institutionen ist das Presse- und Öffentlichkeits-Team für die kontinuierliche Medienarbeit zuständig: Sie schreiben Pressemitteilungen und –erklärungen, erstellen bzw. pflegen Presseverteiler, organisieren Pressekonferenzen und andere Events und bilden somit die Informations-Schnittstelle zur Öffentlichkeit.

Besonders, wenn es um Krisenkommunikation geht, ist die Leistung der Presse- und Öffentlichkeitsarbeiter:innen für das Image von entscheidender Bedeutung.

Die entsprechende Kompetenz lernt man beispielsweise als Volontär in einer PR-Agentur oder Pressestelle, und an einigen Fachhochschulen gibt es sogar spezielle Studiengänge. Natürlich leisten auch gelernte Journalisten oder Redakteure hervorragende Presse- und Öffentlichkeitsarbeit.

PR-Texter:in

Berufsprofil PR-Texter: Public Relations: Vertrauen schaffen durch Kommunikation

Während klassische Werbung in erster Linie verkaufsfördernd wirken soll und hierfür den direkten Weg – beispielsweise über Anzeigen – wählt, zielt PR darauf ab, das Image durch sachliches Informieren zu optimieren.

Dennoch wäre es zu kurz gegriffen, die Arbeit von PR-Texterinnen auf das Verfassen von Pressemeldungen oder Pressemappen zu reduzieren, denn nicht zufällig nennt man sie auch PR-Berater:innen, Kommunikationsberater:innen, PR-Consultant oder PR-Expertin:

Sie konzipieren, recherchieren, formulieren, redigieren und veröffentlichen PR-Texte für Newsletter, Presseportale, Zeitungen, Zeitschriften, Fachforen etc., und das zu so unterschiedlichen Anlässen wie Firmengründungen, Wiedereröffnungen, Jubiläen, Events, Sponsoring-Aktivitäten, Produktneuheiten, Personalveränderungen, Web-Relaunchs und vieles mehr.

Gute PR-Texter:innen verfügen über Organisationstalent und gute Kontakte, denken so analytisch wie strategisch und kennen nicht nur die Strukturen der Medienlandschaft, sondern auch des Unternehmens bzw. der Organisation, für die sie als Freelancer oder Agenturtexter arbeiten.

Redenschreiber:in

Berufsprofil Redenschreiber: Ghostwriter des gesprochenen Wortes

Im Grunde ist das Redenschreiben eine spezielle Form des Ghostwritings – mit dem Unterschied, dass diese Texte für ein zuhörendes Publikum geschrieben werden, nicht für Lesende.

Ursprünglich sind viele Redenschreiber:innen gelernte Autoren/Autorinnen oder Journalist:innen. Aber auch Studiengänge wie Kommunikationswissenschaften, Jura, Theologie oder Psychologie können eine gute Qualifikation für diesen Beruf sein. Handwerkliche Basis ist – neben einer soliden Allgemeinbildung – das Recherchieren, Interviewen, Konzipieren und Formulieren.

Was brillante Redenschreiberinnen von weniger guten unterscheidet, ist ihr Gespür für die Wirkung gesprochener Texte in einem konkreten situativen Kontext: Rhetorisch starke Reden informieren nicht nur, sondern motivieren und überzeugen auch. Damit das gelingt, müssen Redenschreiber:innen ihr Bestes geben – und sich zugleich stark zurücknehmen. Denn authentisch wirken Reden nur, wenn sie ganz und gar auf die Persönlichkeit des Redners oder der Rednerin abgestimmt sind.

Auftraggeber für Redenschreiber:innen stammen übrigens aus so unterschiedlichen Bereichen wie Politik, Wirtschaft, Gesellschaft oder Kultur.

Über die Autorin


Heike Abidi

Textine und Schriftstellerin Heike Abidi schreibt Geschichten, Romane, unterhaltende Sachbücher, Kinder- und Jugendbücher mit Humor, Charme und viel Gefühl. Für uns hat sie Wissenswertes über Textberufe aufgeschrieben. (Foto von Gaby Gerster)

1 Kommentar

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Iris Jilke

28.06.2022 um 11:51 Uhr

Sehr schön zusammengefasst! Der Artikel bringt ein wenig Klarheit in die oft verwirrende Vielfalt an Berufsbezeichnungen in dieser Branche.

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