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Für Anthologien schreiben – der Einstieg ins Veröffentlichen

Carola Wolff: Eine Anthologie (oder auch Blütenlese) versammelt mehrere Kurzgeschichten rund um ein Thema. Das können z. B. Weihnachtsgeschichten sein oder eine Präsentation von Schriftsteller*innen aus einer bestimmten Region/einem bestimmten Land. Vielfach werden diese Anthologien auch öffentlich ausgeschrieben.

Lohnt es sich für Autor*innen, an diesen Wettbewerben teilzunehmen?

Kürzlich durfte ich an einem Wochenendworkshop für angehende Autor*innen mit dem Titel Hilfe, ich möchte veröffentlichen! teilnehmen und aus der Praxis berichten. Dabei ist mir wieder aufgefallen, dass meine ersten Veröffentlichungen in Buchform zwei Kurzgeschichten waren, die ich für einen Wettbewerb eingereicht hatte. Jemand mochte meine Geschichten! Und nicht nur das, sie wurden sogar unter vielen anderen ausgewählt, um gedruckt zu erscheinen! Das war eine sehr ermutigende Erfahrung die mir geholfen hat, dabei zu bleiben.

Warum Kurzgeschichten?

Eine Kurzgeschichte ist kein so großes (und eventuell furchteinflößendes) Projekt wie ein Roman. Sie lässt sich schneller planen und schreiben, ist schneller fertig und damit ein kleines Erfolgserlebnis. Außerdem macht es Spaß, andere Genres auszuprobieren, die eigenen Grenzen auszutesten und sich auf neue Themen und Ideen einzulassen.

Im Projekt Phantastischer Montag schreibe ich jetzt schon im dritten Jahr mit zwei Mitstreiter*innen jeden Monat eine phantastische Geschichte. Das ist eine wunderbare Spielwiese, auf der ich Ideen für Romane testen und neue Figuren Probe laufen lassen kann. Gerade haben wir unsere erste Anthologie veröffentlicht.

Mein Tipp: Such dir ein Thema aus, das dich gleich anspringt, eines, bei dem dir schon die Fingerspitzen zucken, weil sie auf der Tastatur tanzen möchten.

Wenn deine Story dann in eine Anthologie aufgenommen wird, ist das nicht nur ein toller Motivationsschub für deine Schreibkarriere. Sondern es ermöglicht auch künftigen Leser*innen, dich zu entdecken.

Wie findest du Ausschreibungen?

Ausschreibungen finden sich in Tageszeitungen und Literaturzeitschriften. Achte auch in den sozialen Medien (z. B. Instagram, Twitter) auf die Hashtags #Schreibwettbewerb, #Ausschreibung und #Literaturausschreibung.

Mein Tipp: Den Newsletter Preise und Stipendien der Autorenwelt abonnieren. Da gibt es immer die neuesten Wettbewerbe.

Einen guten Überblick bieten auch die Wettbewerbsübersichten vom Schreiblust-Verlag und der Leselupe.

Worauf du achten solltest

Lies die Wettbewerbsbedingungen ganz genau und halte dich daran. Das bezieht sich nicht nur auf das Thema deiner Geschichte sondern vor allem auch um die Formalitäten drumherum (Länge des Textes, Schriftart, Schriftgröße, etc.). Es ist kein Kavaliersdelikt, z. B. die angegebene Mindestlänge um mehrere Seiten zu überschreiten, sondern ein Ausschlusskriterium.

Eins sollte selbstverständlich sein, ist es aber leider nicht: ein Honorar (auch wenn es nicht groß ist).

Lass dich auch nicht auf Teilnehmergebühren ein oder auf eine Mindestabnahme (die Autor*innen verpflichten sich, eine bestimmte Anzahl von Büchern selber zu kaufen).

Wenn der Verlag nichts investiert, wird er sich auch nicht um den Verkauf der Bücher kümmern.

Und der Erfolg?

Anthologien werden im Buchhandel teilweise immer noch etwas stiefmütterlich behandelt. Aber es lohnt sich trotzdem. Sich gedruckt zu sehen ist ja schon mal etwas. Du schreibst nicht nur für die Schublade, sondern es gibt Menschen da draußen, die das toll finden, was du machst!

Gerade die kleineren Verlage stecken auch viel Herzblut in ihre Anthologien hinein, bewerben die Titel und veranstalten Lesungen. Ganz abgesehen davon, dass neue Leser*innen auf dich aufmerksam werden.

Du kannst auch Exemplare zum Autorenrabatt kaufen, sie bei Büchertischen und Conventions selbst anbieten und so ins Gespräch mit künftigen Fans kommen.

Fazit


Seit meinem ersten Shortstory-Erfolg habe ich sowohl Jugendbücher als auch Liebesromane veröffentlicht, als Printbücher und E-Books, bei Verlagen und als Selfpublisherin.

Den Shortstorys bin ich treu geblieben. Erst kürzlich erschien wieder eine in der phantastischen Anthologie Die Kaffeefee, und eine begeisterte Leserin schrieb mir, sie würde sich jetzt auch mal meine anderen Bücher angucken.

Ich denke, es lohnt sich (und Spaß macht es auch).

Über die Autorin


Carola Wolff

Carola Wolffschreibt phantastische Geschichten.

1 Kommentar

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Bernhard Straßer

08.08.2022 um 13:49 Uhr

Um Anthologien habe ich lange Zeit einen weiten Bogen gemacht. Inzwischen sehe ich diese in eher positivem Licht, weil sie mir die ersten Veröffentlichungen bei Publikumsverlagen eingebracht haben.
Für noch unveröffentlichte Autoren können Anthologien also ein echter Türöffner sein.
Ich selber veröffentliche meine Kurzgeschichten inzwischen auf meiner eigenen Seite chiemgauseiten.de/kurzgeschichten/ und gehöre inzwischen zu den Top 5 Kurzgeschichten-Portalen in Deutschland! (Lt. Google Relevanz)

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